Anlegerbrief

Anlegerbrief Juli 2026

Mit viel Vorschusslorbeeren glückt SpaceX der Börsenstart, doch die Euphorie hält nur kurz an. Der Ölpreis spuckt schon wieder in die Suppe. Lesen Sie außerdem, was man vom neuen Altersvorsorgedepot Positives erwarten kann, und welche weiteren Denkfehler Anleger teuer zu stehen kommen können.
Dr. Marc-Oliver Lux
July 17, 2026
Der Dr. Lux & Präuner Anlegerbrief

Inhalt

Börse aktuell: Ist das der Rausch?

Zwei Männer halten die Welt in Atem: Der eine lanciert den größten Börsengang der Börsengeschichte und kürt sich selbst zum ersten Billionär der Welt – der andere veranstaltet Käfigkämpfe vor dem Weißen Haus und versucht mit Zuckerbrot und Peitsche das selbst herbeigeführte Schlamassel am Persischen Golf in den Griff zu bekommen.

Geradezu euphorisch wurde hingegen der Börsenstart des Weltraumunternehmens SpaceX von Elon Musk erwartet. Die Aktie konnte ihre hoch angesetzte Billionenbewertung in den ersten Tagen sogar zunächst noch ausbauen. Analysten sind berauscht vom Weltraumpotential und überbieten sich mit - aktuell noch - utopischen Kurszielen.
Inzwischen hat die Aktie jedoch die Erdumlaufbahn verlassen und den Sinkflug angetreten – alles andere wäre auch zu viel des Guten. Erst in ein paar Monaten wird man beurteilen können, ob hier ein gewisser Tech-Peak erreicht war und nach dem allgemeinen Rausch nun erst mal die Luft raus ist an der Börse. Vor allem die starken Kurssteigerungen im Halbleiterbereich müssen erst einmal verdaut werden.

Zumindest müssen sich die Börsianer nun auch wieder mit den weniger schönen Rahmenbedingungen auseinandersetzen: Steigender Ölpreis, steigende Zinsen, umsatzschwache Sommermonate.
Das Friedensabkommen zwischen USA und Iran steht auf wackeligen Fundament.  Mittlerweile regieren erneut die Waffen. Das treibt den Ölpreis wieder über 85 USD. Die Idee, gegebenenfalls Gebühren für die Passage durch die Straße von Hormus zu verlangen, macht diese Meerenge weiterhin zum Unsicherheitsfaktor für die Weltwirtschaft. Insofern kann man schon froh sein, wenn sich der Markt „nur“ seitwärts bewegt. Gerade im Sommerloch August ist die Börse gerne mal für die ein oder andere Delle gut.

Altersvorsorgedepot

Private Altersvorsorge: Vom Riester-Flopp zum Altersvorsorgedepot

Die staatlich geförderte private Altersvorsorge war bislang alles andere als erfolgreich. Doch die anstehende Reform zum Altersvorsorgedepot bringt viele Änderungen zum Besseren mit sich.

Zwar kann man angesichts von 16 Millionen Riester-Verträgen nicht von einem totalen Flop sprechen, zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass gerade mal 26% der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten einen Riester-Vertrag abgeschlossen haben. Von einem echten Erfolg lässt sich da nicht sprechen – erst recht nicht, wenn man weiß, wie renditeschwach viele Riester-Policen unter dem Strich sind.
Das neue Altersvorsorgedepot soll Besserung bringen. Tatsächlich gibt es gute Gründe, optimistisch zu sein: Die Förderung ist attraktiv, und der Wegfall des Garantie- und Verrentungszwangs ermöglicht eine höhere Rendite. Erste Umfragen zeigen, dass viele Bürger den neuen Möglichkeiten durchaus offen gegenüberstehen. Bleibt zu hoffen, dass Wunsch und Wirklichkeit dieses Mal weniger weit auseinanderklaffen.

Für ein Altersvorsorgedepot sollen in Deutschland für Kleinanleger handelbare Investmentfonds der Risikokategorien 1 bis 5 zulässig sein. Darüber hinaus können Anleihen gewählt werden, die von Staaten der Europäischen Union sowie von deutschen Ländern oder Gemeinden ausgegeben werden. Ausgeschlossen sind Einzelaktien, Zertifikate, Kryptowährungen und andere spekulative Wertpapiere.

Finanzdienstleistern wie Fondsgesellschaften, Versicherern, Banken und Neobrokern wird es erlaubt sein, Depots anzubieten, die auf den neuen Altersvorsorgeverträgen basieren. Dabei gilt allerdings, dass die Unternehmen zusätzlich immer auch die Standardvariante des Altersvorsorgedepots im Programm haben müssen.

Das Standarddepot ist eine Art Basisvariante des Altersvorsorgedepots. Es ist für Verbraucher gedacht, die sich selbst nicht intensiv mit den Finanzmärkten beschäftigen und sich daher nicht zutrauen, eigenständig Anlageentscheidungen zu treffen, aus Kostengründen aber auf eine umfassende Beratung verzichten wollen.
Das Standarddepot hat zwei vorausgewählte Investmentfonds zu umfassen. Einer davon muss in die Risikoklasse 1 oder 2 eingestuft sein. Der zweite Fonds darf den Risikostufen 3, 4 oder 5 zugeordnet sein. Das angesparte Kapital wird in den Jahren vor Beginn der Auszahlungsphase schrittweise in den risikoärmeren Fonds umgeschichtet, sofern ein Anleger nicht den Wunsch nach einer abweichenden Aufteilung mitteilt. Zudem wird für jeden Standarddepot-Vertrag festgelegt, dass die Effektivkosten maximal ein Prozent betragen dürfen.

Ein Verzicht auf Garantien ist nur für das Altersvorsorgedepot und die Standardvariante vorgesehen. Sparer können aber auch in Zukunft Versicherungsprodukte mit einer Garantie von 80% oder sogar 100% wählen. Diese Produkte werden genauso gefördert wie das Altersvorsorgedepot.

Die staatliche Förderung soll über Zulagen, Steuerersparnisse oder eine Kombination aus beidem erfolgen. Während das Riester-System auf starren Zulagen basierte, die an das Erreichen eines Mindestbeitrags gekoppelt waren, soll das künftige Modell eine prozentuale Unterstützung gewährleisten. Für Einzahlungen bis zu 360 Euro pro Jahr ist geplant, dass der Staat einen Zuschuss in Höhe von 50% leistet, also maximal 180 Euro jährlich. Für weitere Beiträge bis insgesamt 1.800 Euro wird es zusätzlich eine Zulage von 25% geben, also bis zu 360 Euro. Damit soll der maximale staatliche Zuschuss bei 540 Euro pro Jahr liegen.

Alle Kapitalerträge wie Vorabpauschalen, Ausschüttungen, Zinserträge oder Veräußerungsgewinne sind steuerfrei. Dafür sind jedoch die Auszahlungen für das geförderte Kapital in der Auszahlungsphase komplett steuerpflichtig (sogenannte „nachgelagerte Besteuerung“).

Die Auszahlungsphase wird deutlich flexibler gestaltet als bisher. Neben der lebenslangen Leibrente sind künftig auch langlaufende Auszahlungspläne zulässig. Diese müssen mindestens bis zur Vollendung des 85. Lebensjahres reichen. Möglich ist es aber auch, einen Auszahlungsplan zu vereinbaren, der länger läuft. Eine Pflicht zur Verrentung besteht nicht mehr. Die Altersgrenze wird für den Beginn der Auszahlungsphase von 62 auf 65 Jahre angehoben. Der Sparer muss sein Kapital dem Altersvorsorge- oder Standarddepot spätestens im Alter von 70 Jahren entnehmen.

Förderberechtigt sollen nahezu alle Erwerbstätigen sein sowie – anders als bei der Riester-Rente – auch Selbstständige und viele Freiberufler ("Pflichtmitglieder in einer berufsständischen Versorgungseinrichtung"). Es gibt nur sehr wenige Ausnahmen, dazu zählen etwa Minijobber, die sich auf Antrag von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen.

Unsere Einschätzung:
Das Altersvorsorgedepot ist der Schritt in die richtige Richtung und seit langem überfällig. Die Fokussierung auf Garantien und Kapitalerhalt ist aus Renditegesichtspunkten kontraproduktiv, zumal mit „sicheren“ Zinsanlagen seit Jahren kaum etwas zu verdienen ist.
Ein bisschen schade ist, dass Einzelaktien als zu risikoreich eingestuft werden. Aber okay. Wer Einzeltitel will, kann ja immer noch in unser Anlagekonzept STARKE MARKEN investieren 😉

Anleger-Denkfehler

Behavioral Finance: Die teuersten Denkfehler für Anleger (II)

Die Verhaltensökonomie, neudeutsch Behavioral-Finance-Forschung, versucht, Erklärungen dafür zu finden, warum Menschen oft Entscheidungen treffen, deren Folgen ihren Interessen widersprechen.
Wir stellen einige gravierende Verhaltensfehler vor, die Anlegern beim Investieren typischerweise irgendwann unterlaufen:

(Fortsetzung aus dem letzten Anlegerbrief)

6. Verlustaversion
Es ist bekannt, dass Investoren bei steigenden Aktienkursen verkaufen "um Gewinne mitzunehmen", während sie zugleich nicht wahrhaben wollen, dass bei anderen Positionen die steigenden Verluste dramatische Ausmaße annehmen. Am meisten Geld geht vermutlich dadurch verloren, dass Investoren eine Aktie, die sie eigentlich gar nicht mehr wollen, halten, bis sie praktisch wertlos ist. Wie passt das zusammen? Einerseits nehmen wir Geld vom Tisch bei Aktien, die blendende Perspektiven haben, andererseits halten wir an Pleitekandidaten fest. Wir bedauern ein schlechtes Ergebnis umso mehr, wenn wir die Investition aus gutem Grund eingegangen sind. Damit schieben wir den Zeitpunkt hinaus, an dem wir die Konsequenzen unseres Handelns anerkennen müssen. Es ist auch keine große Hilfe, dass wir den Schmerz über einen Verlust stärker wahrnehmen als die Freude über einen spiegelbildlichen Gewinn. Unser Bedürfnis, Verluste zu vermeiden, kann dazu führen, dass wir an schlechten Aktien zu lange festzuhalten in der vergeblichen Hoffnung, dass sie irgendwann wieder erholen und doch noch Gewinn einbringen.

7. Investitionskosten
Auch der Blick auf den Einsatz für eine Investition kann das Phänomen der Verlustaversion auslösen. Wir rücken bei Entscheidungsprozessen oft die "investierten Kosten" in den Mittelpunkt und vernachlässigen den Kern der Sache. Das kann dazu führen, dass wir an einem Investment festhalten, selbst wenn die dahinterstehende Prämisse ins Wanken gerät. Ein Beispiel: Sie haben teure Theaterkarten gekauft. Vor Beginn der Veranstaltung erfahren Sie, dass das Stück furchtbar ist. Da Sie aber für die Karten viel Geld gezahlt haben, gehen Sie trotzdem hin. Anders wäre es, wenn Ihnen die Tickets geschenkt worden wären; Sie würden die Aufführung vermutlich nicht besuchen. Rational wäre es indes, die Entscheidung, ins Theater zu gehen, davon abhängig zu machen, ob Sie das Stück sehen wollen oder nicht. Übertragen auf die Welt des Investierens: Wäre uns die Aktie oder der Fondsanteil geschenkt worden, würden wir vermutlich – zu Recht – schneller die Reißleine ziehen!

8. Suche nach Bestätigung
Ein weiteres Risiko liegt darin, wie wir Informationen betrachten. Es kommt nur allzu oft vor, dass wir nach einer Bestätigung für unsere Meinung suchen, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Wir nehmen nur die Informationen wahr, die unsere Meinung stützt. Wenn wir beispielsweise mit unserer Automarke zufrieden sind, werden wir Informationen, die unserer eigenen, guten Erfahrung mit dieser Marke entsprechen, eher wahrnehmen als gegenteilige Nachrichten. Wenn wir einen Fonds mit Fokus auf Pharmaaktien gekauft haben, werden uns die positiven Informationen zur Branche auffallen – negative Nachrichten registrieren wir allenfalls am Rand.

9. Mentale Buchführung
Haben Sie schon einmal von einem Ihrer Freunde oder Bekannten gehört, dass er einen bestimmten Geldbetrag nicht ausgeben kann, weil das Geld für den Urlaub verplant ist? Das wäre ein Beispiel für mentale Buchführung. Die meisten von uns teilen ihr Geld so auf: Ein gewisser Betrag ist für die Ausbildung der Kinder, ein anderer für die Rente, ein weiterer für den Ratenkredit. Ein solches Vorgehen kann sein Gutes haben – es diszipliniert. Wenn man Geld für die Rente auf die Seite legt, hält einen das möglicherweise davon ab, zu viel Geld für den Konsum auszugeben. Doch dieses Vorgehen kann auch zum Problem werden. Nehmen wir als Beispiel die Rückerstattung zu viel gezahlter Lohnsteuer. Bekommen wir Geld vom Fiskus zurück, gilt das als "Taschengeld" und wird zum Ausgeben freigegeben. Bleibt indes Geld von unserem regulären Einkommen übrig, legen wir das zurück. Dabei handelt es sich in beiden Fällen um unser Einkommen und sollte dementsprechend "gleich" behandelt werden.

10. Framing-Effekt
Es gibt eine weitere Art der mentalen Buchführung, die einen Blick wert ist: Der so genannte Framing Effekt. Wir setzen unterschiedliche Bezugspunkte in ähnlichen Fragen. Wenn wir uns einen Laptop kaufen wollen und kurz vor dem Kauf dasselbe Modell in einem anderen Geschäft für 100 Euro weniger finden, ist es sehr wahrscheinlich, dass wir das Angebot wahrnehmen. Wenn aber eine neue Couch 5.000 Euro kosten soll und wir die gleiche Couch im Laden um die Ecke für 4.900 Euro bekämen, dann würde uns das vermutlich nicht umstimmen. Aber warum eigentlich nicht? Schließlich geht es in beiden Fällen um 100 Euro. Doch leider sehen wir den Abschlag in Relation zum Gesamtbetrag, nicht in absoluten Zahlen. Um als Anleger nicht in die Fallen der mentalen Buchführung zu tappen, sollten wir uns auf die absoluten Erträge oder Kurse konzentrieren und das Portfolio nicht als einzelne "Geldtöpfe" denken.

11. Herdentrieb
Investoren bekommen massenweise Anlagetipps von Anlegermagazinen und Internetseiten. Zwangsläufig erinnert man sich an die letzte Empfehlung und steigt bei dieser Aktie ein – das ist eine Facette des oft beschriebenen Herdentriebs. Leider kommt es häufig vor, dass eine Aktie wegen ihrer guten Kursentwicklung in den Blick der Öffentlichkeit rückt und nicht, weil sich das Geschäft des Unternehmens gut entwickelt. Häufig geschieht es, dass Hype-Aktien in ein paar Monaten nicht mehr zu den Börsenlieblingen zählen und der Kurs fällt. Anleger müssten es besser wissen, als der Herde zu folgen. Wir alle können bessere Anleger sein, wenn wir lernen würden, wie wir Investments bewusst und aus den richtigen Gründen auswählen und die Störgeräusche ausblenden.

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