Anlegerbrief

Anlegerbrief Mai 2026

Die US-Märkte strotzen vor Kraft. Der Rest der Welt darf schauen, wo er bleibt. Lesen Sie außerdem, welche Dramatik sich am Kryptomarkt abgespielt hat, und was für Wellen auf Anleger zurollen.
Dr. Marc-Oliver Lux
May 13, 2026
Der Dr. Lux & Präuner Anlegerbrief

Inhalt

Börse aktuell: USA läuft Deutschland und Europa davon

Für die Aktienmärkte ist der Iran-Krieg so gut wie gelaufen. Die Börsianer gehen von einem guten Ausgang im Nahen Osten aus. Seit Ende der Kampfhandlungen Anfang April sind die Märkte wieder im risk-on-Modus. Besonders IT- und Chip-Werte sind gefragt. Die Tech-Börse NASDAQ hat zum Höhenflug angesetzt. Aber auch der S&P 500 hat neue Allzeithochs erreicht. US-Aktien strotzen vor Kraft.
In Deutschland und Europa spielt die Musik etwas leiser. Zwar haben sich auch die hiesigen Aktienmärkte erholt, aber die alten Hochs vom Jahresanfang konnten bisher noch nicht übertroffen werden.

Wenn es nach den ökonomischen Rahmenbedingungen ginge – vor allem im Hinblick auf den Ölpreis -, wäre jetzt im Mai auch aus saisonaler Sicht der passende Zeitpunkt, um auf den Verkaufsbutton zu drücken. Aktuell werden Kursschwankungen aber eher durch vorübergehende Nachrichten ausgelöst, als durch echten Verkaufsdruck. So kann der Markt in einem Umfeld voller Skepsis eher sogar weiter steigen.
Bei den Energiepreisen hoffen viele darauf, dass der Ölpreis bald wieder fällt oder zumindest nicht noch weiter steigt. Trotzdem bleibt das zarte Konjunkturpflänzchen gerade in Deutschland in Gefahr. Denn die bisherige Kursdynamik im Ölpreis spricht – vielleicht nach einem Rücksetzer - zumindest mittelfristig für sehr viel höhere Preise. Dass der Ölpreis-Schock womöglich nicht nur kurzlebig ist, legen auch Aussagen von Saudi-Aramco-Chef Amin Nasser nahe. Der Öl-Markt verliere durch die Hormus-Blockade wöchentlich rund 100 Millionen Barrel Öl. Während in normalen Zeiten rund 70 Schiffe jeden Tag die Meerenge passierten, seien es aktuell nur noch zwei bis fünf.

Von dem Militär-Eingriff der Amerikaner im Persischen Golf bleibt der fade Beigeschmack, dass hier aus Großmachtdenken und nicht klar definierten Zielen Chaos für die ganze Welt entstanden ist. Man macht, was man will – weil man es kann. Der Rest der Welt hat die Konsequenzen zu tragen. Doch schon in der Vergangenheit waren US-Militäraktionen vor allem Materialschlachten – man denke an Vietnam, Afghanistan, Irak -, der Abgang oft unrühmlich und die Hinterlassenschaft ordnungspolitisch fragwürdig. Auch die Hau-Ruck-Aktion in Venezuela hat für die Bevölkerung keine echte Veränderung oder neue Stabilität gebracht.
Es wird somit spannend sein, zu sehen, wie sich die Amerikaner diesmal wieder aus der Affäre ziehen wollen. Der US-Präsident hatte ja bereits signalisiert, dass die USA nicht auf die Straße von Hormus angewiesen ist und Öl auch bei ihnen eingekauft werden kann.

Dennoch ist selbst die USA nicht völlig losgelöst vom Weltgeschehen, auch wenn sich die USA weitgehend selbst mit Öl versorgen. Die US-Inflationsrate ist im April auf 3,8% gestiegen, vor allem wegen höherer Preise für Benzin, Diesel und Heizöl. Tankstellendaten zeigen, dass die Kosten für Benzin und Diesel aktuell rund 50% höher sind als noch vor einem Jahr.
Der designierte Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), Kevin Warsh, steht damit vor der Herausforderung, die Preisentwicklung korrekt einzuschätzen. Die nächste Zinssitzung der US-Notenbank steht Mitte Juni bevor – es wird die erste unter seinem Vorsitz sein. Eine Veränderung des Zinssatzes wird zunächst nicht erwartet. Die Aussichten auf erhoffte Zinssenkungen trüben sich allerdings ein. Die Fed schlug zuletzt sogar deutlich „falkenhaftere“ Töne an, die sogar Zinserhöhungen nicht mehr grundsätzlich ausschließen - also genau das Gegenteil von dem was Trump immer will.

Tote Hose am Kryptomarkt

Bitcoin: Tote Hose am Kryptomarkt

Schon viele Jahre war die runde 100.000er-Marke ein lang ersehnter Meilenstein für viele „Hodler“ (Investoren, die den Bitcoin einmal gekauft haben und seitdem halten. Im Dezember 2024 war es dann endlich soweit. Dass es um diese Marke erst einmal zu Gewinnmitnahmen kam, war zu erwarten. 25% gab der Bitcoin von der Spitze zunächst wieder ab. Dann folgte der nächste Anlauf, und im Oktober letzten Jahres erreichte der Bitcoin ein neues Allzeithoch bei 126.000 USD.

Am 10.10.25 jedoch folgte ein Erdbeben am Kryptomarkt: Eine massive Verkaufswelle in Höhe von rund 19 Milliarden Dollar ließ viele Coins regelrecht kollabieren, was für viele Trader Zwangsliquidationen am Terminmarkt bedeutete und als eine der größten Marktbereinigungen in der Geschichte der Kryptowährungen gilt. Ob die Drohung von US-Präsident Trump, China mit härteren Zöllen zu belegen, tatsächlich der Auslöser für diesen Flash-Crash war, mag dahingestellt sein.

Marktbeobachter sprechen von einem "drastischen Reset" für den gesamten Kryptosektor, der seit Monaten durch Hebelprodukte, hohe Volatilität und politische Risiken überhitzt war. Viel Neugeld, erstmalig auch verstärkt von institutionellen Investoren, trieb den Bitcoin auf seine Höhen.
Doch die Partystimmung am Kryptomarkt ist vorbei. Auch wenn der Bitcoin selbst von dem Flash-Crash zunächst nur relativ moderat betroffen war, halbierte sich der Kurs von seinem Allzeithoch in den nachfolgenden vier Monaten, krebste dann lange Zeit seitwärts und robbt sich nun mühsam wieder über 80.000 USD.
Offensichtlich scheint der Kryptomarkt in einer Phase der Konsolidierung: Investoren agieren vorsichtiger und mit selektivem Risikoappetit – sowohl im Spot- als auch im Derivatemarkt.


Unsere Einschätzung:
Die Stimmung bleibt angespannt. Die Markterholung könnte etwas länger dauern – vor allem, weil viele institutionelle Investoren vorerst abwarten, bis die politischen und strukturellen Unsicherheiten nachlassen. Gleichwohl bleiben die längerfristigen Ziele für den Bitcoin intakt. Die 100.000er-Marke wird da nur eine Zwischenstation sein.

Tiefseewellen beinflussen Performance

Portfoliomanagement: Tiefwasserwellen rollen auf Anleger zu

Das Researchinstitut der Fondsgesellschaft Franklin Templeton hat fünf "Deep Water Waves" identifiziert, die Anleger in den kommenden Jahren beschäftigen und die Performance im Depot beeinflussen dürften.

Tiefwasserwellen entstehen in Tiefen von rund 200 Metern. Zu Beginn sind sie träge und ausgedehnt, werden dann aber immer schneller und vor allem größer, weil sie sich mit anderen Wellen vereinigen. Je nach Ausformung des Meeresbodens werden Kraft, Strömung und Geschwindigkeit von Tiefwasserwellen entweder abgeschwächt oder intensiviert. Oberflächlich betrachtet sind sie kaum zu sehen – und ihr Wirkungspotenzial kann daher leicht falsch eingeschätzt werden.

In dieser Hinsicht sind sie langfristigen Faktoren, mit denen sich Investoren konfrontiert sehen, sehr ähnlich. Diese mächtigen "Wellen" können einen fundamentalen Wandel der wirtschaftlichen und politischen Grundlagen für die Asset-Preise bewirken. Intensiviert werden diese Kräfte durch sozioökonomischen Druck, den Klimawandel und die Geopolitik:

(1) Die demografische Welle
Das weltweite Wachstum wird sich im Verlauf der nächsten Generation auf einen Wert unterhalb des langfristigen Trends abschwächen. Die Bevölkerungen jener Länder, die während der letzten zwanzig Jahre für das weltweite Wirtschaftswachstum gesorgt haben, werden immer älter. Vor dem Hintergrund einer anhaltenden oder gar wachsenden Ablehnung von Immigration in vielen Ländern werden nationale Grenzen immer schwieriger zu überwinden sein, was zu erheblichen negativen Auswirkungen für einkommensschwächere Länder führen wird, die auf Rücküberweisungen aus dem Ausland angewiesen sind.
(2) Die Technologiewelle
In den kommenden zehn Jahren werden dringende und umfangreiche Investitionen in Innovationen in allen Wirtschaftsbereichen boomen. Dies zeichnet sich sowohl im privaten als auch im öffentlichen Bereich ab, wobei ein Großteil der Investitionen nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen, sondern auch aus geopolitischen Gründen getätigt wird.
(3) Die Schuldenwelle
Das Spannungsverhältnis zwischen Inflation und Deflation wird weiterhin bestehen, aber das zugrundeliegende Kalkül hat sich geändert. Eine langfristige Kontrolle über die Inflation zählt mehr als Wirtschaftswachstum, aber die Entschlossenheit wird je nach Land oder Region unterschiedlich stark sein. Die Corona-Pandemie hat die sozioökonomische Ungleichheit in vielen Ländern noch verschärft. Eine progressive Besteuerung mit Umverteilungscharakter wird weltweit immer mehr an Bedeutung gewinnen, es wird zu unorthodoxen wirtschaftlichen Experimenten kommen und Big Government wird zurückkehren.
(4) Die geopolitische Welle
Vor dem Hintergrund der Konfrontation zwischen den USA und China wird die geopolitische Situation im Verlauf des nächsten Jahrzehnts ihren Einfluss auf Anlageergebnisse noch steigern, wobei ein asymmetrischer Cyberkrieg das wahrscheinlichste Szenario darstellt. Die wirtschaftliche Polarisierung zwischen Staaten, aber auch innerhalb der Gesellschaft wird voraussichtlich zunehmen.
(5) Die Klimawandel-Welle
Der Klimawandel wird in vielen Regionen zunehmend Grenzkonflikte verschärfen, die Agrarproduktion bedrohen und soziale Spannungen verstärken. Dieser Prozess vergrößert auch manch bestehende Kluft innerhalb der Länder – zum Beispiel Stadt versus Land.

Unser Rat:
Viele der hier genannten externen Einflüsse sind im Grunde genommen bereits bekannt. Doch ist die Auflistung vollständig? Wohl kaum.
Zudem reden wir von sehr langen Zeiträumen. Da mag sich das ein oder andere Ereignis mal akut zuspitzen, vielleicht sich auch mehrere Entwicklungen überlappen. Umso wichtiger ist es ein breit diversifiziertes Depot mit resilienten Werten aufzubauen. Einzelwetten sind okay, solange das große Ganze stabil aufgestellt ist.

Deshalb kombinieren wir bei Dr. Lux & Präuner in unserem ETF-Anlagekonzept SOKRATES (MOAR) unterschiedliche Anlageklassen, die einen internen Ausgleich schaffen, mit einer antizyklischen Strategie auf der Aktienseite.
Bei unserem Anlagekonzept STARKE MARKEN investieren wir in Einzelaktien international aufgestellte Markenunternehmen, die viele globale Entwicklungen zu ihrem Vorteil verwerten können.

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Die im Anlegerbrief genannten Kennzahlen und Entwicklungen der Vergangenheit sind keine verlässlichen Indikatoren für zukünftige Entwicklungen, sodass sich insbesondere darauf gestützte Prognosen im Nachhinein als unzutreffend erweisen können. Der Anlegerbrief kann zudem naturgemäß die individuellen Anlagemöglichkeiten, -strategien und -ziele seiner Empfänger nicht berücksichtigen und enthält dementsprechend keine Aussagen darüber, wie sein Inhalt in Bezug auf die persönliche Situation des jeweiligen Empfängers zu würdigen ist. Soweit im Anlegerbrief Angaben über Fremdwährungen gemacht werden, ist bei der Würdigung solcher Angaben durch den Empfänger zudem stets auch das Wechselkursrisiko zu beachten.
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