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Börse aktuell: Im Raubtiergehege
Nach dem positiven Jahresstart im Januar und Februar sorgte die Offensive von USA und Israel gegen den Iran im März zu einem starken Rückgang an den globalen Kapitalmärkten. Vor allem die steigenden Energiepreise infolge der Schließung der Straße von Hormus machen den Investoren Sorgen. Dabei gerieten die Aktienmärkte in Deutschland, Europa und Japan besonders unter Druck. US-Aktien hingegen fielen aufgrund der geringeren Abhängigkeit von Energieimporten aus dem Nahen Osten weniger stark und haben sich großteils nach ersten Entspannungsanzeichen nun schon fast komplett wieder erholt.
Zumindest ist ein befürchteter Großangriff auf die iranische Energieinfrastruktur zunächst ausgeblieben und es gibt Hoffnung auf eine Verhandlungslösung. Allerdings machen es Trumps Raubtiermanieren weder Diplomaten noch Anlegern einfach, eine sinnvolle Lösung des Konflikts zu erkennen. Im besten Fall nimmt der Iran weniger Geld ein, aber der Druck auf die Weltwirtschaft wird nicht kleiner. Im schlechtesten Fall verliert Trump die Geduld und schlägt militärisch umso härter zu.
Selbst bei einer diplomatischen Lösung ist der angerichtete Schaden bereits so groß, dass die Energiepreise wohl auf erhöhtem Niveau verharren und die Weltwirtschaft weiter belasten werden. Das Rohstoffangebot wird knapper. Die Preise und die Inflationsrisiken steigen.
Wie man aber bereits sieht, kann aufgrund der sehr negativen Stimmung am Markt und der vorsichtigen Positionierung vieler Anleger eine Entspannung im Nahen Osten kurzfristig schnell zu nennenswerten Kurserholungen führen. Doch die Ausblicke der Unternehmen in der kommenden Berichtssaison des ersten Quartals werden wohl eher verhalten ausfallen. Und da die Börse lieber die Zukunft als die Gegenwart handelt, dürfte es eine Börsenachterbahn bleiben, die vom Katz-und-Maus-Spiel im Weißen Haus getriggert wird. Ein Trost bleibt: nur ein Bruchteil des Trump-Aktionismus wirkt sich längerfristig marktbeeinflussend aus; das Meiste stellt sich schon nach wenigen Tagen als irrelevant bzw. allenfalls als gesellschaftlich bedenklich heraus.

Aktien: Dividenden-Hochsaison
Das Frühjahr bringt nicht nur neue Lebensgeister, sondern für Aktienanleger auch jede Menge Dividenden. Die Ausschüttungen von deutschen Unternehmen werden 2026 zwar keine neuen Rekordstände markieren, mit einem zu erwartenden Volumen von 53 Milliarden Euro aber in etwa das Ausschüttungsniveau von 2024 erreichen.
Allerdings gibt es dabei einige Branchenverwerfungen: Bei den ehemals dividendenstarken Automobilunternehmen stottert der Motor, sie müssen ihre Ausschüttungen weiter zusammenstreichen. Zusammengenommen stehen sie nur noch für rund 13% der Dividenden, 2024 belief sich der Anteil noch auf ein Drittel. Mit einer schnellen Rückkehr zur Dividendenstärke ist in diesem Sektor nicht zu rechnen.
Währenddessen gibt der Finanzsektor Vollgas. Banken und Versicherungen sind mittlerweile vom absoluten Volumen her mit 14,2 Milliarden Euro die größten, zugleich aber auch die am schnellsten wachsenden Dividendenzahler.
Blickt man auf die vergangenen Monate, so zeigt sich, dass die schwache heimische Wirtschaft sowie die unvorteilhafte Kostensituation – in Kombination mit der veränderten Geopolitik, den Zollbelastungen und der starken globalen Konkurrenzsituation – zunehmend Bremsspuren in der Entwicklung der Unternehmensgewinne hinterlassen. Auch 2025 liegen die von den DAX-Unternehmen erwirtschafteten Gewinne leicht unterhalb des Vorjahresniveaus.
Bei der Festsetzung der Dividenden haben die Unternehmen aber nicht nur die zurückliegende, sondern vor allem die aktuelle und die kommende Geschäftsentwicklung im Blick. Eine hohe Dividendenkontinuität ist somit auch ein Signal der Erwartung stabiler oder sich moderat verbessernder Geschäftsperspektiven. Vor diesem Hintergrund können Dividenden in stürmischen Zeiten ein stabilisierender Faktor sein.
Ohnehin sollte die Anpassungsfähigkeit und Innovationskraft der europäischen Unternehmen nicht unterschätzt werden. Die Unternehmen sind mit großer Geschwindigkeit dabei, sich neu aufzustellen, um in Zukunft von den strukturellen Veränderungen in der globalen Ökonomie zu profitieren.
Gerade in Europa sind Dividenden wichtig. Untersuchungen zeigen, dass bei europäischen Aktien Dividenden in den vergangenen 45 Jahren einen Anteil von fast 38% an der Gesamtentwicklung hatten. Bei US-Unternehmen machten die Dividenden langfristig "nur" 29% der Erträge aus.
Besonders kommt das zum Tragen, wenn die Kurse an den Börsen nur moderat steigen oder sogar fallen. Dividenden können langfristig denkenden Investoren das Aussitzen einer Seitwärtsphase oder eines Kurstals versüßen.
Unser Rat:
Dividenden spielen eine wichtige Rolle für den Gesamtertrag der Aktienanlage. Leider wird dieser Aspekt zu oft übersehen, dabei ist die wiederangelegte Dividende der Kursturbo in jedem Aktiendepot. Zudem sind Dividenden ein Indikator für ein robustes Geschäftsmodell. So schwanken Aktien von Unternehmen, die Dividenden ausschütten, im Schnitt weniger stark als Wachstumsunternehmen, die keine Dividende zahlen und oft auch teuer bewertet sind.
In unserem Einzelaktien-Konzept STARKE MARKEN bieten wir daher auch an, das Depot schwerpunktmäßig auf dividendenstarke Werte auszurichten und somit die laufenden Erträge (gegebenenfalls zur Entnahme) zu erhöhen. Von den regelmäßigen Ausschüttungen läßt sich zum Beispiel schön die Rente aufbessern.

Aktien: Raus aus KI, rein in HALO
Frißt die KI-Revolution ihre Kinder? Die Furcht davor, dass die großen US-Tech-Konzerne zu viel in Künstliche Intelligenz (KI) investieren und gleichzeitig immer neue KI-Anwendungen Unternehmen vieler Branchen Konkurrenz machen, greift an der Börse um sich.
Investoren suchen deshalb jetzt nach Aktien von Unternehmen, deren Geschäftsmodelle nicht durch Künstliche Intelligenz (KI) gefährdet oder gar ersetzt werden können. Und wie immer, bekommt das Kind auch gleich einen Namen an der Wall Street: „HALO“.
Das neue Schlagwort steht für „Heavy Assets, Low Obsolescence“. Gemeint sind damit Unternehmen mit schweren physischen Vermögenswerten („heavy assets“) und einer geringen Gefahr der Veralterung („low obsolescence“).
Gleichzeitig suggeriert das Akronym, dass diese Unternehmen durch einen „halo“ (engl. Heiligenschein) – einen Lichtkranz, wie er zeitweise als Wetterphänomen rund um die Sonne oder den Mond zu beobachten ist – vor den Bedrohungen durch KI geschützt sind.
HALO-Unternehmen finden sich vor allem in der klassischen Industrie, in der KI zwar Prozesse verbessern, aber den Unternehmenszweck nicht ersetzen kann: Kein großes Sprachmodell wird Schokolade, Seniorenwohnanlagen, Flugzeuge, Traktoren, Glasfaser, Glas, Asphalt und so weiter überflüssig machen.
Nicht nur der Iran-Krieg hat daher viele Ölwerte gepusht. Der S&P-Index für Basiskonsumgüter stieg um 14,6% – zu diesem Sektor gehören unter anderem Konzerne wie der Konsumgüterhersteller Colgate-Palmolive, der Schokoladenhersteller Hershey’s oder Einzelhandelskonzerne wie Walmart oder Costco. Zu den großen Gewinnern des Jahres zählt im S&P 500 außerdem der Sektor Industrie mit Konzernen wie dem Landmaschinenhersteller Deere oder dem Logistiker Fedex. Der Branchenindex IT mit den Schwergewichten Apple, Meta, Microsoft und Nvidia verlor dagegen seit Jahresanfang mehr als 4%. Der Subindex Software und Services mit Konzernen wie Salesforce (CRM-Software) oder Adobe (Grafiksoftware) brach sogar um knapp 24% ein.
Der „HALO-Trade“ ist damit das Gegenstück zu dem, was die Wall Street Anfang Februar „AI Scare Trade“ getauft hat. Dieser ließ erst die Aktien von Software-Unternehmen, dann von Versicherungskonzernen, Brokern und Vermögensverwaltern und zuletzt von Essenslieferdiensten deutlich fallen. Auslöser dafür waren stets neu vorgestellte KI-Tools und Agenten für die jeweilige Branche.
Zu beobachten war hier die größte Branchenrotation seit mehr als vier Jahren. Investoren senkten den Anteil von Tech-Aktien in ihren Portfolios deutlich und erhöhten dafür ihr Engagement in Energie, Grundstoffen, Basiskonsumgütern und Industrie.
Diese Bewegung hat bereits im vergangenen Jahr begonnen. Seither haben Aktien von nicht-digitalen Unternehmen den Gesamtmarkt kontinuierlich geschlagen. Zudem sind viele Grundstoffhersteller, Energie- und Industriekonzerne indirekte Profiteure des KI-Booms, der enorme Nachfrage nach Strom, Metallen und Infrastruktur hervorruft. Man denke an den Gold-Rausch: Am Ende hatten die Schaufelhersteller mehr verdient, als die Vielzahl der Schürfer.
Unsere Einschätzung:
Moden kommen und gehen. Börsianer lieben Branchenrotationen, denn Depot-Umschichtungen bringen Provisionen. Der Mehrwert für Privatanleger ist fragwürdig. Früher oder später sind die abgestraften Branchen wieder en vogue und erholen sich dafür umso schneller. Hier zahlt sich oft eine ruhige Hand aus, sofern das Geschäftsmodell weiter intakt ist.
Um auch in der Vermögensverwaltung von Dr. Lux & Präuner das ständige „Rauschen“ am Markt besser zu ignorieren, nehmen wir zum Beispiel bei unserem Anlagekonzept STARKE MARKEN Umschichtungen grundsätzlich nur auf Monatssicht vor.
Den „Halo-Effekt“ gibt es übrigens auch in der „Behavioral Finance“, der verhaltensorientierten Finanzmarktforschung. Hier beschreibt er eine Denkfalle: Dabei überstrahlt die positive Wahrnehmung eines einzelnen Aspekts – im Fall der „HALO-Aktien“ die Hoffnung, sie könnten vor Risiken durch Künstliche Intelligenz schützen – oft die fundamentale Bewertung und verdeckt mögliche Schwächen.