Anlegerbrief Oktober 2022

Börse aktuell: Selektives Einsammeln

Sehr geehrter Anleger,

hat der Abwärtstrend endlich einen Boden gefunden? Nach den letzten Tiefs Anfang Oktober besteht zumindest Hoffnung.
Lesen Sie außerdem, warum „Abstand halten“ nicht nur bei Corona Vorteile bringt und wie Sie im Rentenalter ihr Einkommen aufbessern.

 

Börse aktuell: Selektives Einsammeln

Haben wir Anfang Oktober womöglich das Jahrestief an den Märkten gesehen? Nach knapp 30% Minus seit den Höchstständen zum Jahreswechsel ist das nicht ausgeschlossen, zumal die Anlegerstimmung seit Wochen absolut mies ist und die Verunsicherung weiterhin groß. Schon häufig wurden Bärenmärkte im Oktober beendet. Außerdem rücken das Jahresende und die saisonal stärksten Börsenmonate näher.
Doch auch wenn sich die Aktienmärkte immer wieder nach oben hin aufbäumen, muss man dennoch nüchtern konstatieren: der mittelfristige Abwärtstrend ist leider weiterhin intakt. Erst sehr viel höhere Kursniveaus würden das ändern. Unter 13.500 Punkten bleibt der deutsche Aktienindex DAX anfällig.
Gleichwohl scheint der Markt in eine Bodenbildungsphase einzutreten. Manch Aktienkurs wirkt ausgebombt. Viel Kapital wartet an der Seitenlinie zum Einstieg. Für einen All-in-Einstieg mag es noch zu früh sein. Selektiv lassen sich aber durchaus einige Perlen aufsammeln.

Viele Aktien haben bereits so massiv korrigiert, dass sie im längerfristigen Vergleich mittlerweile sehr attraktiv aussehen. Allerdings gilt das nicht für alle Branchen, denn mit der Niedrigzinsphase liegen besondere Zeiten hinter uns. Der Run auf Sachwerte nach dem TINA-Prinzip („There Is No Alternative“) hat vieles am Markt verzerrt. Zu teilweise absurd hohen Bewertungen mit KGVs von 800 und mehr hat dies beispielsweise im Technologiebereich geführt. Teilweise wurden junge Unternehmen, die nur Verluste erwirtschaften, nur aufgrund ihrer Wachstumszahlen höher bewertet als etablierte Großkonzerne.

So darf es nicht verwundern, dass die Verluste bei den vorherigen Highflyern und Publikumslieblingen nun am größten sind, „billig“ werden sie dadurch aber deswegen noch nicht unbedingt. So kann eine weitere Straffung der Zinsen diesen Werten weiter zusetzen.
Und die nächste Zinserhöhung kommt bestimmt, denn die Inflationszahlen wollen immer noch nicht sinken. Insofern wird die US-Notenbank FED auf ihrer nächsten Sitzung Anfang November die Zinsen voraussichtlich um weitere 75 Basispunkte anheben – so der Marktkonsens. Danach könnte es in 50er-Schritten weitergehen. Zweijährige US-Staatsanleihen werfen jetzt bereits 4,5% p.a. ab – Zinsanleger können jubeln: die Zeit von Mini- oder Nullzinsen ist vorbei und spätestens im nächsten Jahr dürfte es höchst interessante Einstiegsniveaus auch in längerfristige Laufzeiten geben.

Behavioral Finance: Abstand halten bei der Geldanlage

Abstand zur Geldanlage

Was vor Viren schützt, hilft auch Anlegern bei ihrem Depot: Halten Sie Abstand - zur Börse. Wenn es mal stärker abwärts geht, ist es klüger, gar nicht erst ständig ins eigene Depot zu schauen. Und wer unbedingt umsteuern will oder so, sollte dies – wenn überhaupt – erst tun, wenn das Schlimmste vorüber ist.

Denn wenn die Kurse purzeln, kann man sich schnell mit dem Angstvirus infizieren. Marktkrisen können wüten wie eine Epidemie: Sie pulverisieren das Kapital um 40, 50, manchmal 80 Prozent. In der Vergangenheit gab es vier schlimme Kurseinbrüche seit dem großen Crash von 1929: 1974, 2000, 2008 und letztens 2020 mit dem Corona-Crash.
In allen Fällen war es jedoch am besten das Gegenteil von dem zu tun, was einem die eigene Psyche rät: Nicht verkaufen, besser noch zukaufen. Aber auch wer keine zusätzliche Liquidität hat, ist zumindest gut damit beraten, eher wenig bis gar nichts zu tun und den Absturz auszusitzen.
Bisher erholte sich jeder Bärenmarkt, auch wenn es mal länger dauerte. Die Wahrscheinlichkeit, die Verluste nach einem Jahr aufgeholt zu haben, beträgt seit 1926 drei zu eins. In 70 Zeiträumen schaffte man es, in 25 nicht. Wartete man fünf Jahre, lag die Wahrscheinlichkeit schon bei sieben zu eins. Wer kurz vor 2000 einstieg, musste immerhin bis 2013 aushalten.
Jetzt raten Sie mal, wie wahrscheinlich es ist, nach 15 Jahren nicht wieder im gesunden Bereich zu sein? Null Prozent. Statistisch hat ein gut strukturiertes Depot eine hundertprozentige Genesungschance, wenn man lange genug Abstand hält. Panikverkäufer dagegen realisieren nur Verluste.

Für ängstliche Anleger heißt also das Gebot der Stunde: Mit neuem Geld zukünftiges Risiko reduzieren, vorhandene Bestände, die in den Miesen liegen, jedoch erst abbauen, wenn die nächste Aufwärtsphase kommt. Das geht so: Aktienbestände behalten, aber nicht draufsehen. Neues Geld stattdessen in Zinsanlagen stecken, das bremst künftig die Abschwünge im Depot. Und Zinsen gibt es ja zum Glück wieder.

Unser Rat:
Wer sich mit Selbstdisziplin schwer tut, kann auch durch eine Vermögensverwaltung eine implizite Informationsbarriere zu seinem Depot aufbauen. So hat man die Gewissheit, dass sich jemand um das Depot auch in Krisenzeiten verantwortungsbewusst kümmert, ohne dass man selbst ständig involviert sein muss. Man muss dann lediglich die Hände vom Onlinezugang lassen.

Private Altersversorgung: Mehr Geld im Ruhestand

Mehr Geld im Ruhestand

Genug Geld zu sparen ist die Voraussetzung dafür, im Alter sorgenfrei leben zu können. Aber genauso sorgfältig wie der Aufbau des Vermögens muss das Entsparen geplant werden, also die Umwandlung des Angesparten in ein regelmäßiges Zusatzeinkommen. Diese Phase kann bei der heutigen Lebenserwartung auch leicht 30 Jahre lang währen.
Dabei entsteht häufig folgende Problematik: Erfolgen die Entnahmen zu hoch und zu schnell, fehlt das Geld am Lebensende. Bei einer zu vorsichtigen Entnahme entgeht einem womöglich Luxus, den man sich eigentlich hätte leisten können.

Bei der Planung des Zusatzeinkommens gilt es also zunächst, von einer realistischen Lebenserwartung auszugehen. Außerdem ist zu berücksichtigen, ob das Vermögen ganz verbraucht werden kann oder ob etwas für die Erben übrig bleiben soll. Für die Umsetzung gibt es üblicherweise zwei Varianten: Bei einer Sofortrente von einer Versicherung sind die monatlichen Zahlungen meist niedrig, dafür sind diese bis zum Lebensende gesichert. Mehr Rendite gibt es mit einer Anlage am Kapitalmarkt, die man sich über einen Entnahmeplan schrittweise auszahlen lässt.

Sofortrente von Rentenversicherer
Die bequemste Variante, sich ein monatliches Zusatzeinkommen auszahlen zu lassen, ist eine Sofortrente. Viele Deutsche haben in der Ansparphase ohnehin eine Lebens- oder Rentenversicherung abgeschlossen. Möglich ist eine private Rentenversicherung aber auch gegen Einmalzahlung, die sofort oder auch etwas später mit der Auszahlung beginnt.
Vorteil einer Versicherungslösung ist, dass Anleger das Langlebigkeitsrisiko absichern können. Überlegen sollten sich das vor allem Verbraucher, die auf sichere Zahlungen unbedingt angewiesen sind. Ein Abschluss ist oft noch bis ins hohe Alter möglich.

Bei der garantierten monatlichen Rente sollte man keine Wunder erwarten. Die Versicherer rechnen konservativ. Für einen 65-jährigen Kunden sind bei einer Einmalzahlung von 100.000 Euro ca. 275 EUR pro Monat garantiert, zuzüglich Überschussbeteiligung, die allerdings nicht garantiert wird. Selbst wenn es mit der in Aussicht gestellten Überschussbeteiligung klappt, müssen Policen oft mehr als 20 Jahre laufen, bis der Versicherte seinen Einmalbeitrag wieder zurückerhält. Steuerliche Aspekte sind in diesen Überlegungen noch außen vor.
Beim Bund der Versicherten (BdV) heißt es daher, dass die sofort beginnende private Rentenversicherung gegen Einmalzahlung allenfalls für Senioren infrage kommt, die unmittelbar vor der Rente stehen und sich Hoffnung auf ein sehr langes Leben machen. Die Sicherheit hat ihren Preis, denn Rentenversicherungen sind generell keine kostengünstigen Produkte.

Auch wenn die Policen Verbrauchern diverse Wahlmöglichkeiten bieten, so sind sie im Vergleich zu anderen Anlagen relativ starr. Falls der Versicherte beispielsweise nach Rentenbeginn doch eine Kapitalzahlung wünscht, weil er akut Geld benötigt, ist dies oft nur mit hohen Abschlägen möglich. Stirbt die versicherte Person kurz nach Rentenbeginn, kommt es darauf an, was vereinbart ist. Gibt es eine Rentengarantiezeit, erhält der im Vertrag festgelegte Bezugsberechtigte eine bestimmte Versicherungsleistung ausgezahlt. Solche Zusatzvereinbarungen schmälern allerdings wiederum die Monatsrente der versicherten Person.

Entnahmeplan aus einem Wertpapierdepot
Alternativ können Anleger entsparen, indem sie in regelmäßigen Abständen Wertpapiere aus einem Depot verkaufen. Gleichzeitig kann man weiter von den Renditechancen an den Kapitalmärkten profitieren.
Klar ist aber auch, dass mit einem Wertpapierportfolio auch das Risiko von Kursschwankungen an den Weltbörsen eingekauft wird. Je länger der eigene Zeithorizont noch ist, desto besser lassen sich schwache Kursphasen aussitzen. Umso wichtiger ist es, weltweit zu investieren und sich nicht zu sehr auf den Heimatmarkt zu konzentrieren. Ein Indexfonds (ETF) auf den MSCI World kann deshalb ein geeignetes Basisinvestment sein.

Bei einem guten Mischungsverhältnis lässt sich so auf lange Sicht eine attraktive Rendite bei überschaubaren Schwankungen erzielen. Studien haben gezeigt, dass Anleger dann langfristig einen Betrag von etwa vier Prozent pro Jahr entnehmen können, ohne ihr Vermögen zu schmälern. Bei einem Kapitalbetrag von 100.000 Euro wäre das eine monatliche Rente von ca. 325 EUR, wobei Inflation und Steuern noch nicht berücksichtigt sind.
Wer sein Kapital während der Rentenphase verbrauchen will, da er keine Hinterbliebenen versorgen muss, kann sich höhere Beträge auszahlen: Soll das Geld für 30 Jahre reichen, wäre eine Monatsrente von 470 EUR möglich, bei 20 Jahren sind es sogar 600 EUR pro Monat.

Eine konstante Auszahlung birgt natürlich das Risiko, dass entweder das Geld nicht bis zum Lebensende reicht oder am Ende noch zu viel übrig ist, also dass deutlich höhere Ausgaben möglich gewesen wären. Im Zweifel empfiehlt es sich aber, nicht zu optimistisch zu kalkulieren.
Statt mit konstanten Auszahlungen über die ganze Rentendauer zu planen, können Anleger diese auch an die tatsächliche Wertentwicklung anpassen. Man kann auch mit einem kleineren Betrag starten, um dann je nach Kursverlauf die Entnahmen zu erhöhen. Möglich ist auch, sich dann trotz einer guten Börsenentwicklung eine Obergrenze für die Entnahme zu setzen, um dann bei einem Kursabschwung einen Puffer zu haben und die Auszahlung nicht zu stark eindampfen zu müssen.


Unsere Einschätzung:
In Bezug auf Flexibilität ist ein Entnahmeplan aus einem Wertpapierdepot im Vergleich zu einer Rentenversicherung unschlagbar. Die Auszahlungsraten können jederzeit geändert oder auch gestoppt werden. Es können auch größere Beträge auf einmal entnommen werden. Die Erben erhalten auf alle Fälle das komplette Restkapital, wenn der Anleger früh verstirbt.
Wenn Ihnen der Aufwand zu groß ist, das Geschehen an den Märkten zu verfolgen und sich selbst um die Vermögensanlage zu kümmern, helfen wir Ihnen bei Dr. Lux & Präuner gerne weiter.

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