Anlegerbrief September 2020

Börse aktuell: Technologie macht nächsten Tausender voll

Sehr geehrter Anleger,

der NASDAQ spurtet davon; der DAX kommt nicht hinterher. Die Schwäche hat Gründe.
Lesen Sie außerdem, wie sehr nachhaltige Investments mittlerweile bereits gefragt sind und wo unser Finanzminister wieder zugreifen will.

Börse aktuell: Technologie macht den nächsten Tausender voll

Der amerikanische Technologieindex NASDAQ schraubt sich von einem Allzeit-Hoch zum nächsten. Im Februar vor Corona hatte der Index nach einem rasanten Aufstieg in 2019 immerhin 9.736 Punkte erreicht. Mit Corona ging es 3.000 Punkte bis auf 6.776 abwärts. Wie bekannt, hat sich die Börse allgemein sehr gut von den Corona-Tiefs erholt, im NASDAQ jedoch fiel die Bewegung sehr viel stärker aus als in allen anderen Indizes. Der NASDAQ übertraf nicht nur innerhalb von drei Monaten sein altes Hoch vom Februar, sondern kletterte Tausender um Tausender weiter in die Höhe. Nun wurde sogar die 12.000er-Marke überschritten – und das muss nicht das Ende sein, trotz aktueller Delle. Die amerikanischen Technologiewerte sind megastark. Beispiel Apple: mit einer Marktkapitalisierung von sagenhaften 2 Billionen Dollar ist der Apfelkonzern nun das wertvollste Unternehmen der Welt; der Kurs hat sich seit Corona in nur 5 Monaten quasi verdoppelt; der kürzliche Aktiensplit dürfte für weitere Kurssteigerungen eher förderlich sein.

Ganz anders dagegen am deutschen Aktienmarkt, dem DAX: Zwar folgte hier nach Corona ebenfalls eine Erholung, aber die Zusammensetzung des Index mit wenig dynamischen Werten macht es dem Index schwer, überhaupt mal das Vor-Corona-Hoch bei 13.776 einzustellen. Der DAX beschäftigt sich schon viele Wochen mit der 13.000er-Marke, während der NASDAQ einfach weitergelaufen ist. Immerhin hat der DAX den Börsenmonat August mit +5,1% ganz gut überstanden, denn zurückgerechnet auf die monatliche Performance der vergangenen 20 Jahre ist der August mit durchschnittlich -2,5% ein eher schwacher Monat.
Der DAX ist und bleibt dennoch ein träger und unsteter Nachzügler, der sich nicht aus eigener Kraft zu neuen Höhen schwingen kann. Solange jedoch die US-Börsen steigen, wird sich dies früher oder später auch auf den DAX übertragen.

Das Problem ist, dass sich zu viele faule Eier in der DAX-Familie befinden. Der Betrugsfall Wirecard ist dabei sicher das frappierendste Beispiel. Insofern wäre es wohl an der Zeit, die Aufnahmekriterien für den DAX zu überdenken. Schon die Aufnahme von MTU in den DAX wurde zum Rohrkrepierer. Gleiches galt für Covestro.
Natürlich benötigen Unternehmen eine gewisse Größe, um überhaupt in die erste Aktienliga aufsteigen zu dürfen. Das bedeutet, Unternehmen müssen zunächst wachsen. Die Wachstumsphase ist für Anleger am interessantesten, denn sie ist häufig mit hohen Kurssteigerungen verbunden. Unglücklicherweise findet diese Wachstumsphase aber nicht im DAX statt, sondern in den unteren Aktienligen SDAX oder MDAX. Deshalb haben sich diese Indizes in der Vergangenheit häufig besser entwickelt als der DAX. Noch schlimmer: Wenn die Aktien letztlich die Aufnahmekriterien bezüglich Marktkapitalisierung und Handelsumsatz erfüllen und in den DAX wechseln, haben sie oft ihre Wachstumsstory hinter sich. Die Neukandidaten starten im DAX somit zu Höchstkursen und mit hoher Bewertung. Die Gefahr ist groß, dass es nach Aufnahme erst mal eher nur abwärts gehen kann, weil eine bewertungstechnische Anpassung an die anderen DAX-Werte stattfindet. Das Phänomen konnte man immer wieder beobachten, deswegen mag die DAX-Aufnahme das einzelne Unternehmen adeln, aus Anlegersicht muss man es oft kritisch hinterfragen, wenn ein bisheriger MDAX-/SDAX-Highflyer in die erste Liga aufgenommen wird. Beim Neuling Delivery Hero könnte sich die Kursmisere daher wiederholen.

Private Vermögensanlage: Nachhaltig investieren (I)

Nachhaltig investieren

Ein Trend zieht immer stärker in die private Geldanlage ein: Immer mehr Menschen achten mittlerweile nicht mehr nur auf die Rendite, die ihr Finanzkapital abwirft, sondern auch darauf, dass es nachhaltig investiert wird.
Das Kapital, das private Anleger in nachhaltige Finanzprodukte investieren - also in jene Produkte, die Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungs-Kriterien ausdrücklich in ihren Anlagebedingungen verankern -, hat sich innerhalb von nur zwölf Monaten fast verdoppelt von 9,4 Milliarden Euro auf über 18 Milliarden Euro.
Passend zur steigenden Nachfrage gibt es mittlerweile ein recht umfangreiches Angebot zur Geldanlage, aus dem Anleger mit Interesse an Nachhaltigkeit wählen können. Die Anbieter treffen damit den Nerv der Verbraucher - machen allerdings mit der neuen Flut an Produkten auch vielen die Investmententscheidung schwer. Von aktiv gemanagten Fonds bis hin zu Indexfonds bzw. ETFs und Direktinvestments gibt es offenbar kein Finanzprodukt für Privatanleger, das nicht mittlerweile auch in vielfältigen nachhaltigen Versionen erhältlich ist. So gibt es inzwischen 145 nachhaltig gemanagte Investmentfonds allein in Deutschland.

Das Vermögen in den Fonds stieg um gut 40% von 44,7 Milliarden Euro im Jahr 2018 auf 63,2 Milliarden Euro in 2019. Zum Vergleich: 2005 steckten gerade einmal 2,6 Milliarden Euro in diesen Fonds. In solche Produkte legen allerdings auch große Investoren wie Stiftungen, Pensionskassen oder Versicherungen Kapital an.
Für die Qual der Produktauswahl werden Anleger aber oft auch belohnt: Weil die Nachfrage nach nachhaltigen Investments steigt, werfen diese Anlage zunehmend mehr Rendite ab als ihre nicht-nachhaltigen Pendants, aus denen tendenziell Geld abfließt. In den vergangenen zehn Jahren brachten nachhaltige globale Aktienfonds jährlich im Schnitt eine Mehrrendite von einem halben Prozentpunkt. Dieser Vorsprung wuchs im vergangenen Jahr auf 3,1 Prozentpunkte. Und auch in diesem von der Coronakrise geschüttelten Jahr hat der breite Aktienindex MSCI World SRI mit Ausrichtung auf Nachhaltigkeit bisher etwas besser ausgesehen und etwas weniger verloren als sein traditioneller "Bruder", der MSCI World.

Doch wie funktioniert das nachhaltige Anlegen? Welche Strategie führt zum Erfolg, welche Produkte sind besonders geeignet, und wie können Anleger ihre Investmentideen umsetzen?

Generell gilt: Ob ein Depot nun als hell- oder dunkelgrün - also als wenig oder besonders nachhaltig - bezeichnet werden kann, es gelten stets die gleichen wichtigen Grundsätze für die private Geldanlage. Daher sollte sich jeder Anleger, der über nachhaltiges Investieren nachdenkt, zunächst grundlegende Fragen stellen: Wie viel Geld kann ich beiseitelegen? Wie lange kann ich darauf verzichten? Lege ich langfristig für meine Altersvorsorge an, oder ist das mittelfristige Ziel beispielsweise der Kauf einer Immobilie oder eines Autos? Kann ich auch bei hohem Risiko ruhig schlafen, oder brauche ich in erster Linie Sicherheit im Depot?
Anleger sollten also entscheiden, welchen Teil des Geldes sie in Produkte mit höherem Risiko wie beispielsweise Aktienfonds stecken und welcher Teil wertstabiler und damit sicherer angelegt werden soll, zum Beispiel in einem Rentenfonds oder auf einem Tagesgeldkonto. Erst dann kommt das Thema „Nachhaltigkeit".

Ein einfacher Weg zur Nachhaltigkeit ohne Risiko von Kursschwankungen ist ein Konto bei einer Nachhaltigkeitsbank, wie z.B. bei der Triodos Bank oder bei der Gemeinschaftsbank GLS. Etwas mehr Mühe macht es, Geld am Kapitalmarkt mit gutem Gewissen anzulegen. Dort allerdings können Anleger Chancen auf Renditen wahrnehmen, etwa über breiter anlegende Fonds oder indexnachbildende ETFs.
Doch bevor Anleger darauf schauen, welches Produkt passt, gibt es ein paar Dinge zu bedenken, die im nächsten Anlegerbrief beleuchtet werden.

Steuern: XETRA-Gold im Visier

Goldbesteuerung

Für Anleger, die keine Barren in den Tresor oder ins Bankschließfach legen wollen, sind sie eine bequeme Alternative: mit physischem Gold hinterlegte Exchange Traded Commodities (ETCs) bilden die Wertentwicklung des Edelmetalls als börsennotierte Anleihen ab und verbriefen einen Lieferanspruch.
Im Zuge der Goldpreis-Rallye seit mehreren Monaten sind ETCs wie EUWAX Gold II und XETRA-Gold derzeit stark gefragt: seit Jahresbeginn stieg allein beim Marktführer XETRA-Gold der verbriefte Bestand des Edelmetalls bis zum 30. Juni um 18,5 Tonnen und markierte zur Jahresmitte mit 221,7 Tonnen einen neuen Rekordwert.

Grundsätzlich sind mit ETCs realisierte Kursgewinne nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei, wenn der Lieferanspruch vom Emittenten grammgenau verbrieft wird. Das hat der Bundesfinanzhof entschieden (Az. VIII R 4/15; VIII R 35/14). Das Finanzministerium bestätigte später die Urteile per Erlass (Gz.IVC1-S2252/08/10004:017).
Bundesfinanzminister Olaf Scholz scheint die von seinem Vorgänger Wolfgang Schäuble vor vier Jahren getroffene Entscheidung aber ein Dorn im Auge zu sein. Offenbar wollte er den Fiskus am Goldrausch der Investoren teilhaben lassen, denn der Mitte Juni veröffentlichte Entwurf des Jahressteuergesetzes 2020 sah vor, dass auch alle Erträge aus Forderungen, bei denen statt der Rückzahlung des Geldbetrags eine Sachleistung gewährt wird, ab dem kommenden Jahr der Abgeltungssteuer unterliegen sollten.

Das hätte gravierende steuerliche Auswirkungen für Goldanleger, denn die Depotbanken würden beim Verkauf von Gold-ETCs auf die Gewinne stets Abgeltungssteuer, Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer (insg. maximal 27,98%) abführen - unabhängig von der Haltedauer. Und einen Bestandsschutz für Alt-ETCs, die bereits länger als ein Jahr im Depot liegen, sollte es auch nicht geben.

In der jüngsten Fassung des Finanzministeriums ist der Steuerpassus allerdings nicht mehr enthalten. Goldanleger können somit zunächst aufatmen, aber es wäre trügerisch, sich in Sicherheit zu wiegen. Der Staat benötigt nach Corona viel Geld zur Refinanzierung seiner  Unterstützungsprogramme – da ist es naheliegend, neue Honigtöpfe anzuzapfen. Bei Finanzminister Scholz muß man ohnehin immer mal wieder mit Finten rechnen. Bereits im letzten Jahr schmuggelte er die Begrenzung der Verlustverrechnung von Termingeschäften in den endgültigen Gesetzestext, obwohl dies eigentlich nicht mehr zur Debatte stand.
    
An der Behandlung von physischem Gold soll sich steuerlich jedenfalls nichts ändern: Verkaufsgewinne mit Goldbarren und -münzen sind nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei. Auch die Ausübung des Lieferanspruchs auf physisches Gold ist nach einem weiteren Urteil des Bundesfinanzhofs aus dem Jahr 2018 nicht als Veräußerung zu besteuern (Az. IX R 33/17).

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