Anlegerbrief Oktober 2020

Börse aktuell: Börse im Wahlkampfmodus

Sehr geehrter Anleger,

mitten in die heiße Phase des US-Wahlkampfs platzt die Meldung, dass US-Präsident Trump nun ebenfalls mit Corona infiziert ist. Juckt das die Börse?
Lesen Sie außerdem, auf was bei der Auswahl von Nachhaltigkeitsprodukten zu achten ist und inwieweit Bankschließfächer eine Alternative für die Matratze sein können.

 

Börse aktuell: Börse im Wahlkampfmodus

In den USA beginnt die heiße Phase des Präsidentschaftswahlkampfs, oder soll man besser sagen, die „schmutzige“ Phase. Das wenig erkenntnisreiche, aber umso hitzigere Rededuell zwischen Trump und Biden lässt in den letzten Wochen bis zur Wahl Anfang November noch so manchen Punch unter die Gürtellinie erwarten. In diese aufgeheizte Stimmung platzt die aktuelle Nachricht, dass sich nun auch das Ehepaar Trump mit Corona infiziert hat. Insofern besteht zwischen den beiden Kandidaten nun zumindest Waffengleichheit, denn Biden betreibt seinen Wahlkampf seit Wochen vom heimischen Keller aus, während Trump hingegen eifrig mit der Air Force One in den USA herumflog und sich seinen Anhängern vor Ort präsentierte. Es wird spannend sein, zu sehen, wie Trump nun seinen Wahlkampf unter diesen erschwerten Bedingungen fortführt. Im Zweifel wird er wohl noch mehr twittern als vorher.

Die amerikanische Präsidentschaftswahl wird damit noch ein Stück weit unberechenbarer. Drehten sich in jüngerer Zeit die Diskussionen vor allem darum, ob Trump das Wahlergebnis überhaupt anerkennen würde, steht nun sogar latent im Raum, ob die Wahl überhaupt stattfinden kann, falls Biden auch noch erkranken sollte. Mit der Corona-Infektion von Trump werden die Karten neu gemischt, nicht unbedingt zum Vorteil von Trump, aber wer weiß das schon so genau.

Statistisch gesehen war der Monat vor einem US-Wahl-Termin immer schwierig an der Börse. Zumindest legten die US-Aktienmärkte in der Vergangenheit nach einer gewissen Wahl-Rallye dann oft eine Pause ein. Dieser Oktober könnte also umso ruppiger werden.
Unabhängig wie man zu Trump steht, im Auge der Börsianer wird er als etwas förderlicher für die Wirtschaft betrachtet als Biden. Dass die US-Märkte zuletzt wieder stiegen, könnte man demnach so deuten, dass die Börsianer Trumps Wiederwahl noch nicht abgeschrieben haben. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass sich die Börse einfach nicht um Politik schert. Der Markt hat im September korrigiert - jetzt kann es wieder aufwärts gehen. Daran ändert auch Trumps Corona-Erkrankung zunächst nichts. Der politische Apparat läuft ja weiter. Die erste Kursdelle nach der Schlagzeile fiel eher moderat aus.

Stimmungsumschwünge prägen auch den deutschen Aktienmarkt. Im DAX fehlt eine klare Richtung. Auffällig waren in den letzten Wochen teilweise wirre Richtungswechsel von mehreren hundert Punkten. Ein Trend sieht anders aus. Von den US-Indizes nach oben mitgeschleift, steht im DAX immer noch die Schließung einer restlichen Kurslücke vom Corona-Absturz bei 13.460 an. Überzeugend sieht die Dynamik nach oben jedoch nicht aus. Der DAX hat offensichtlich mal wieder Amphetamine mit Psychopharmaka verwechselt.

Private Vermögensanlage: Nachhaltig investieren (II)

Nachhaltige Produkte finden

Privatanleger achten neben der Rendite auch immer mehr auf Nachhaltigkeit. Im zweiten Teil zum Thema geht es daher darum, welche Finanzprodukte sich dafür eignen, und wie man seriöse Angebote erkennt.

Vorsicht vor Täuschung
Bei der Auswahl von Nachhaltigkeits-Produkten gilt es auch, sich selbst vor „Greenwashing“ zu schützen, indem man auf Qualitäts- und Transparenzstandards achtet. Der Begriff, ins Deutsche oft schlicht als "Grünwaschen" übersetzt, bezeichnet die Praxis, Produkte als besonders grün oder nachhaltig zu kennzeichnen, die diese Bezeichnung nicht verdienen - und damit den Verbraucher täuschen. Nicht jeder Anbieter, der Nachhaltigkeit draufschreibt, ist auch wirklich ambitioniert.
Doch es gibt Unterstützung für Anleger: Sie können den Transparenzkodex des europäischen Nachhaltigkeitsverbands Eurosif zurate ziehen. So könnten sie schnell und sicher feststellen, ob und wo sie ausführliche Informationen über die nachhaltige Anlagestrategie eines Investmentprodukts finden. Die Logik dahinter: Eine erhöhte Transparenz zeigt Verantwortungsbewusstsein und macht es Anlegern leichter, ein Angebot mit dem eigenen Verständnis von Nachhaltigkeit abzugleichen.
Ein Gütesiegel ist der Transparenzkodex aber nicht. Er gibt keine Wertung über die Qualität eines Anlageprodukts ab. Dafür gibt es mittlerweile aber eine Reihe von Siegeln. Doch die sind schwer vergleichbar, da sie nicht von einer unabhängigen Stelle überprüft werden. Ein Siegel sollte zumindest gewisse Mindeststandards voraussetzen, z.B. dass Unternehmen ausgeschlossen werden, die mit Waffen, Rüstung, Kernkraft oder Fracking ihr Geld verdienen.

Nachhaltige ETFs für Bequeme
Weil Anleger zunehmend diese preiswerten indexnachbildenden Produkte beispielsweise auf den Dax oder den MSCI World kaufen, ist in den vergangenen Jahren auch das Angebot an nachhaltigen Varianten von ETFs stetig gewachsen.
Doch Experten raten auch hier zur Vorsicht: Die Ansätze von Produktanbietern, die zu mehr Nachhaltigkeit führen sollen, sind umstritten. Besonders der häufig verwendete "Best in Class"-Ansatz, der die nachhaltigsten Unternehmen einer Branche einbezieht, erntet regelmäßig Kritik. Denn oft schaffen es so auch Öl- oder Gaskonzerne in die Auswahl, die im Vergleich zu ihresgleichen zwar gut abschneiden, aber von vielen Menschen wohl kaum als umweltfreundlich bezeichnet würden. Unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten zählen ETFs daher oft nicht unbedingt zu den „dunkelgrünen“ Anlageformen.

Kriterien grüner Fonds prüfen
Wer bestimmte grüne Kriterien erfüllt wissen möchte, kann sich dagegen auch aktiv gemanagte Fonds anschauen. Denn im Gegensatz zu ETFs, die etwa Aktien aus einem Index halten müssen, auch wenn ein Unternehmen plötzlich in einen Umweltskandal verwickelt ist, ist ein Fondsmanager freier in der Auswahl geeigneter Zielinvestments. Er kann Aktien von Firmen verkaufen oder meiden, die seinen Nachhaltigkeitsansprüchen nicht genügen.
Jeder Anleger sollte persönliche Präferenzen für das Thema Nachhaltigkeit festlegen und diese wiederum mit den Ansprüchen eines aktiven Fonds abgleichen: Ist mir beispielsweise das Thema Wasser besonders wichtig, kann ich in einen speziellen Wasserfonds investieren. Themenfonds gibt es zu verschiedensten Anliegen von Wasser, Solarenergie bis hin zur Windkraft. Allerdings müssen Anleger wissen, dass sie ihr Geld damit nicht so breit anlegen wie etwa in einem globalen Aktienfonds. Die Aktien in einem Themenfonds können daher deutlicheren Kursschwankungen unterliegen.

Vorsicht vor heißen Tipps
Doch auch beim Thema Nachhaltigkeit gibt es dubiose Angebote, wie Verbraucherschützer warnen. Verbraucher lassen sich oft von ihrem "grünen Gewissen" verführen. Das macht es Anbietern riskanter Geschäfte leicht: Immer wieder locken teils dubiose Anbieter mit traumhaften Renditen von bis zu zehn Prozent für vermeintlich nachhaltige Direktinvestments. Sie bieten Anlegern beispielsweise an, Anleihen von Baumplantagen in Südostasien, Solarparks in Lateinamerika oder Holzplantagen in Rumänien zu zeichnen. Deshalb Vorsicht vor „grau-grünen“ Kapitalmarktprodukten: Wenn der Zinssatz nicht in die Zeit passt, ist die Anlage nicht koscher oder bringt ein erhebliches Risiko mit sich.


Unsere Einschätzung:
Eines scheint klar: Die Nachfrage nach Geldanlagen mit gutem Gewissen dürfte weiter zunehmen, zumal Themen wie Umweltschutz, Klimawandel, soziales Bewusstsein und gute Unternehmensführung als gesellschaftliche Kernanliegen nicht mehr wegzudenken sind. Für die Finanzindustrie gilt ab dem kommenden Jahr die sogenannte EU-Taxonomie, ein EU-weites Klassifikationssystem für nachhaltige Investitionen. Um Privatanlegern die nachhaltige Geldanlage zu erleichtern, müssen beispielsweise Bankberater ab dem kommenden Jahr nach den Nachhaltigkeitspräferenzen ihrer Kunden fragen.

Private Vermögensanlage: Schließfach gegen Negativzinsen

Schließfach gegen Negativzinsen

Immer mehr Bankkunden bringen ihre Ersparnisse vor drohenden Strafzinsen in Sicherheit. Ein Ausweg: Sie bewahren ihr Geld in einem Schließfach auf. Das kann sich trotz Gebühren lohnen.

Immer mehr Banken wälzen ihre Zinskosten auf die Guthabenkonten ihrer Kunden ab, im Regelfall ab einer definierten Einlagenhöhe von zum Beispiel 100.000 Euro. Die Liste der Banken, die Strafzinsen verlangen, wird dabei kontinuierlich länger. Für Anleger, die ihre Geldbeträge keinen Wertschwankungen - etwa in Form einer Aktienanlage - aussetzen wollen, kommt dann eigentlich nur noch das eigene Aufbewahren von Bargeld infrage. Doch damit besteht das Risiko eines Verlusts durch Diebstahl. Wer deshalb die Scheine nicht ungesichert unter seiner Matratze verstauen will, muss Kosten für eine sichere Verwahrung tragen. Es gilt daher abzuwägen, was mehr kostet - der Strafzins auf die Kontoeinlagen oder das Verwahren von Bargeld in einem Bankschließfach!?

Erhebt eine Bank Strafzinsen von 0,5% und liegen die Schließfachgebühren bei weniger als 50 EUR im Jahr, kann sich bereits ab 10.000 Euro Bargeld ein Schließfach eher lohnen als ein Konto. In ein kleines Schließfach passt ein solcher Geldbetrag aus Bündeln mit großen Scheinen ohne Probleme. Einige Geldinstitute bieten kleine Schließfächer bereits für weniger als 50 EUR im Jahr an, etwa einige Volksbanken und Sparkassen.
Oft sind diese günstigen Anbieter jedoch nur in bestimmten Regionen vertreten, so dass deren Angebot für viele potentielle Interessenten nicht infrage kommen. Über die meisten Zweigstellen national verfügen die Deutsche Bank und die Commerzbank. Die Hamburger Sparkasse (HASPA) ist mit rund 200.000 Kundenmietfächern an mehr als 100 Standorten einer der größten Schließfach-Anbieter in ganz Deutschland.

Doch selbst wenn Banken grundsätzlich über Schließfächer verfügen, können diese nicht immer angemietet werden. So haben oft nicht alle Zweigstellen Fächer, auch sind viele längst belegt. Einige Anbieter führen Wartelisten. Die Mehrheit der Banken vermietet Schließfächer nur an Interessenten, die bereits Kunde bei der Bank sind. Häufig wird dafür mindestens ein Girokonto oder Geschäftskonto vorausgesetzt. Einige Genossenschaftsbanken vermieten Schließfächer nur an Mitglieder, also Kunden, die Genossenschaftsanteile der Bank halten.

Bei sehr großen Bargeldbeträgen reicht ein kleines Bankschließfach nicht aus. Hinsichtlich der Größe der Schließfächer gibt es keine Norm und nahezu alle Banken und Verwahrer verfügen über Schließfächer unterschiedlicher Größe. Die Banken vermieten in der Regel am häufigsten kleine Fächer. Diese weisen Größen von ungefähr 25cm Breite, 5cm Höhe und 40cm Tiefe auf. Sie reichen je nach genauen Maßen für 800.000 EUR in 200-Euro-Scheinen.

Mit höheren Summen gewinnt dann aber auch die Frage an Bedeutung, wie sicher die Werte in einem Bankschließfach sind und ob sie sich gegen Risiken wie Einbruch oder Wasserschaden ausreichend versichern lassen. Auch wenn Mieter die Einbruchsicherheit von Bankschließfächern schlecht beurteilen können, so können Sie zumindest den Versicherungsschutz überprüfen. Dabei gibt es große Unterschiede.
Wer ein Schließfach anmietet, kann nicht automatisch davon ausgehen, dass dort seine Werte gegen alle Risiken geschützt sind. Nur wenn dem Verwahrer Fehler nachgewiesen werden, besteht die Möglichkeit, ihn für Schäden haftbar zu machen. Auch kann nicht davon ausgegangen werden, dass mit der Miete der Inhalt des Fachs versichert ist. Während einige Banken Schließfächer ohne Versicherungsschutz vermieten, bieten andere einen Basisschutz an, der in der Regel zwischen 2.000 und 10.000 EUR liegt. Manche bieten auch Schließfächer mit Vollwertversicherung an. Die mit Abstand höchste Versicherungssumme, die im Mietpreis enthalten ist, bieten mit 128.000 EUR die Sparda-Banken West und Hamburg.
Bei Kundenschließfächern, die über keine oder aber nur über eine Basisdeckung verfügen, wird die Möglichkeit der Höherversicherung über die Bank selbst oder aber über einen separaten Versicherungsvertrag angeboten. Versicherte Gefahren sind Feuer, Einbruchdiebstahl/Raub und Leitungswasser. Optional kann auch die Elementarschadenversicherung (Sturm, Überschwemmung, Erdbeben, Erdsenkung, Erdrutsch, Schneedruck und Lawinen) eingeschlossen werden.
Der Versicherungsbeitrag liegt je nach Geldinstitut und dessen Versicherungsanbieter zwischen 0,75 EUR und knapp 3 EUR pro 1.000 EUR Versicherungssumme. Bei einem (zusätzlichen) Absicherungsbedarf von 100.000 EUR übersteigen die Versicherungskosten also oft deutlich die Schließfachmiete.

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