Anlegerbrief März 2020

Börse aktuell: Der Corona-Cut

Sehr geehrter Anleger,

Corona hat nun auch die Börsen schwer im Griff. Aber Panik ist ein schlechter Ratgeber an der Börse. Deswegen bleiben wir cool.
Lesen Sie außerdem, welche animalischen Instinkte in uns stecken und warum Aktien auch ein wenig Trost spenden können.

Börse aktuell: Der Corona-Cut

Kurz vor den tollen Faschingstagen erreichten die Börsenmärkte Allzeit-Hochs. Da hatten die Börsianer noch gut lachen. Nur drei Wochen später befindet sich der deutsche DAX sage und schreibe 33% tiefer auf den alten Tiefständen von Ende 2018. Die Anleger hatten sich offensichtlich zu sehr in Sicherheit gewiegt. Die markante Korrektur hat viele auf dem falschen Fuß erwischt. In der schwärzesten Woche seit der Finanzkrise 2008 wurden an den internationalen Aktienmärkten Firmenwerte von mehr als acht Billionen Dollar vernichtet. Die Kursgewinne, die der Markt über mehr als ein Jahr aufgebaut hat, sind nun wieder innerhalb weniger Tage weg. Die Kursrallye endet mit einem abrupten Absturz – als hätte jemand den Stecker gezogen.

Auch an den Rohstoffmärkten zeigte sich die Panik der Anleger: Der Preis für Brent-Öl verzeichnet den stärksten Einbruch innerhalb einer Handelswoche seit 2011 und ist sogar unter die Marke von 35 US-Dollar pro 159-Liter-Fass gefallen. Die Preise für andere konjunkturabhängige Rohstoffe wie Kupfer, Aluminium oder Zink sackten ebenfalls ab. Dass auch die Krisenwährung Gold zeitweise verlor, wird darauf zurückgeführt, dass große Investoren Gewinne im Gold realisierten, um Löcher in Portfolios zu schließen, die der Einbruch am Aktienmarkt gerissen hat.

Geschafft hat dies eine Epidemie, die die Börse zunächst ziemlich ignorierte – wohl weil man den Schaden auf China begrenzt sah. Nun hat das Corona-Virus aber auch die Börse mit Angst verseucht. Die Kurse sind so schnell und so heftig verfallen, dass sich sogar schon die US-Notenbank FED zu einem Feuerwehreinsatz genötigt sah.

In einem unerwarteten Schritt hat die FED die Leitzinsen um einen halben Prozentpunkt gesenkt, um die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus-Ausbruchs abzumildern. Die Währungshüter hatten bereits signalisiert, die Lage im Auge zu behalten und nötigenfalls zu reagieren. Dennoch hat die US-Notenbank die Märkte mit dem Schritt etwas überrumpelt, denn so stark hat die Notenbank die Leitzinsen seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr auf einem Schlag gesenkt. Die Epidemie berge "Risiken für die wirtschaftliche Aktivität" und so werden am US-Anleihemarkt bereits weitere Zinsschritte nach unten eingepreist. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen bewegt sich nun Richtung 1%.

Doch nicht jeder Marktteilnehmer ist überzeugt, dass Zinssenkungen die richtige Antwort auf die Corona-Krise sind. Die Zinssenkung hilft der Finanzierung von Verbrauchern und Unternehmen, kann aber keine löchrigen Lieferketten reparieren. Der Effekt der Zinssenkung ist auch geradezu verpufft. Die Aktienkurse sind weiter gefallen. Stattdessen setzt die FED den Glauben an ihre Unabhängigkeit aufs Spiel, da US-Präsident Trump schon seit Monaten auf eine Zinssenkung gedrängt hatte.
Die Europäische Zentralbank hat diese Woche nun nachgezogen, allerdings ohne Zinssenkung, sondern mit einem Kreditprogramm für Banken zur Weiterreichung an Unternehmen. Auch diese Maßnahme ist am Markt zunächst verpufft.

Den Einbruch an den Aktienmärkten muss man sehr ernst nehmen, zumal er in einer schockierenden Geschwindigkeit passiert ist. Dennoch halten sich Kapitalmarktstrategen daran fest, dass die Ausbreitung des Virus wenigstens mittelfristig eingedämmt werden kann, dass die Börsen sich dann beruhigen und die Anleger wieder einsteigen können. Viele frühere Krisen haben gezeigt, daß sich gerade Qualitätsaktien auch sehr schnell wieder erholen. Inzwischen heißt die Devise: Bleiben Sie gesund!

Behavioral Finance: Aktien sind wie Klopapier

Aktien sind wie Klopapier

Das Corona-Virus macht Deutschland kirre: Schlangen bei Aldi, weil es Desinfektionsmittel zu kaufen gibt. Anderswo wird Klopapier, Nudeln und Knäckebrot gehamstert. Europa im Ausnahmezustand: Regale leer, Hotels leer, Restaurants leer, Stadien leer, Messen und Kulturleben abgesagt. Was ist hier los?

Corona ist los. Dabei sterben in Deutschland weitaus mehr Menschen an der normalen Grippe als an der neuartigen Erkrankung. Die Panik ist deshalb so groß, weil ein neuartiges Phänomen sehr viel Aufmerksamkeit auf sich zieht und weil plötzlich viele Menschen in einem kurzen Zeitraum ums Leben kommen. Wenn dagegen Menschen verteilt über das Jahr sterben, macht uns das kaum Angst.
Ein Beispiel ist der Straßenverkehr: 2019 sind in Deutschland über 3000 Menschen ums Leben gekommen, genauso viele wie bislang durch das Coronavirus auf der gesamten Erde. Auch sterben alljährlich 18.000 Personen an ärztlichen Behandlungsfehlern. Viele kennen diese Zahlen nicht, weil darüber zu wenig berichtet wird. Vergleiche könnten helfen, die Todesfälle in Relation zu bekannten Gefahren zu setzen, statt wie hypnotisiert nur auf das Virus zu schauen. Das Coronavirus ist eine neue Gefahr, wir kennen es nicht aus eigenen Erfahrungen, sondern primär durch die Medien, die oft eher zusätzlich die Angst schüren als zur Beruhigung beizutragen. Aus Angst getriebene Menschen bringen sich aber oft zusätzlich in Gefahr. So seien etwa viele Amerikaner nach den Terroranschlägen von 9/11 aufs Auto umgestiegen. Doch dadurch gab es im Straßenverkehr 1600 Tote mehr als üblich.

Auch den Aktionismus, dem die Politik verfällt, muss man relativieren. Man erinnere sich an die Schweinegrippe: Viele europäische Regierungen gaben Hunderte von Millionen für das Medikament Tamiflu aus, obwohl nicht nachgewiesen war, dass es die Bürger überhaupt gegen die Folgen der Schweinegrippe schützt. Aber man hatte etwas getan. Da die Schweinegrippe doch nicht der große Killer war, wurde Tamiflu am Ende verbrannt – und damit auch unsere Steuergelder.
Absolute Sicherheit hat somit einen hohen Preis; es gibt sie aber ohnehin nicht in unserem Leben und wäre auch langweilig. Wenn wir wüssten, wann wir sterben, ob unsere Ehe geschieden wird, dann bräuchten wir keine Emotionen mehr. Wir könnten uns an nichts mehr erfreuen, auf nichts hoffen und würden nie mehr überrascht.

Corona zeigt jedoch wieder sehr eindrucksvoll, dass offenbar in uns allen ein Lemming steckt. Der Herdentrieb bringt die einen ans Regal mit Hygieneartikeln, während die anderen ihr Aktiendepot leerräumen. Rational ist das nicht - zumal vor wenigen Wochen die Investoren noch tief entspannt waren. Und das, obwohl in China bereits eine Millionenstadt abgeriegelt wurde. Trotzdem stiegen die Aktienkurse fröhlich weiter und niemand kam auf die Idee, Dosenravioli zu horten. Über Nacht schlug die Stimmung um: Panik-Modus. Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller wird wieder einmal bestätigt: Nicht etwa rationale Überlegungen prägen die Kurse, sondern "animalische Instinkte". Es ist eben nicht so, dass an der Börse die zur Verfügung stehenden Informationen sinnvoll verarbeitet werden. Stattdessen hat nun der Fluchtinstinkt die Herrschaft übernommen: Wenn alle losrennen, renne ich lieber mit - völlig unabhängig davon, ob das wirklich eine gute Idee ist. Die allgemeine Stimmung an der Börse darf jedoch nicht der Anlass sein, Aktien zu verkaufen oder zu kaufen.

Unser Rat:
Vor einigen Wochen wurden Aktien oft nur deshalb gekauft, weil Zinsanlagen unattraktiv geworden sind, und weil es zur Zeit keine bessere Alternative im Hinblick auf die Dividendenrendite gibt. Jetzt gibt es aber bald ein viel schlagenderes Kaufargument, denn viele Aktien sind wieder auf attraktive Bewertungsniveaus gerutscht. Nach den massiven Kursverlusten in den Indizes ist es für Aussteigen zu spät. Stattdessen könnten langsam Zusatzkäufe interessant werden.

Aktien: Ein Quantum Trost

Dividenden-Ausschüttung

Zu guter Letzt kann man seinen Blick auch auf etwas Positives richten: Die Dividendensaison naht und da viele Firmen letztes Jahr blendend verdient haben, wird auch dieses Jahr wieder das Füllhorn über die Aktionäre ausgeschüttet. In 2019 wurden nahezu unvorstellbare 1371 Milliarden Dollar weltweit als Dividende ausgezahlt; dieses Jahr sollen es sogar 1420 Milliarden Dollar werden. Nie zuvor haben Unternehmen mehr Geld verteilt. Nur 14 Staaten haben ein Bruttoinlandsprodukt, das höher ist als der globale Dividendenberg.

Anleger lieben Dividenden. Wer auf die richtigen Aktien setzt, hat die Chance auf steigende Kurse und bekommt nebenbei regelmäßig Bares auf sein Konto. Die Dividende wird also zu einem zweiten Gehalt oder einer zusätzlichen Rentenzahlung.

Die niedrigen Zinsen machen die Dividende noch wertvoller: die Notenbanken stützen mit ihrer extrem lockeren Geldpolitik die Wirtschaft, machen es Sparern aber nahezu unmöglich, mit klassisch defensiven Investments Geld zu verdienen. Mehr als 80% der deutschen Staatsanleihen werfen eine negative Rendite ab. Die Unternehmen im MSCI Europe kommen dagegen auf eine Dividendenrendite von knapp 4%.

Viele Anleger setzen bevorzugt auf Unternehmen aus der Heimat. Deutsche Unternehmen schütten zwar häufig hohe Gewinnanteile aus, aber die Zahl der zuverlässigen Dividendenzahler ist in Deutschland begrenzt, weil viele Unternehmen aus zyklischen Branchen kommen. Ein Blick über die Landesgrenzen kann daher wertvoll sein: Wer international investiert, hat eine größere Auswahl und kann das Risiko besser streuen.
Die Schweizer Konzerne Nestlé, Novartis und Roche steigern ihre Dividende seit vielen Jahren kontinuierlich. Auch der Ölriese Royal Dutch Shell und der Nahrungsmittelhersteller Unilever, beide mit Doppelsitz in den Niederlanden und Großbritannien, sind bewährte Dividenden-Investments.
Die berühmtesten Dividendenwerte sitzen in den USA. Dort sind viele der sogenannten Dividenden-Aristokraten zu Hause, Unternehmen, die ihre Dividende seit mindestens 25 Jahren durchgehend angehoben haben. Der Konsumgüterhersteller Procter & Gamble hat seine Ausschüttung sogar seit 62 Jahren kontinuierlich gesteigert, PepsiCo seit 46 Jahren. Obwohl Technologie-Konzerne freie Mittel meist in das operative Geschäft und Übernahmen stecken, schütten einige Geld auch aus. Die prominentesten Fälle sind Microsoft, Apple und Cisco.

Dabei gilt auch bei Dividenden der Grundsatz „andere Länder – andere Sitten“: in den USA sind die Dividendenrenditen meist niedriger als in Europa. Das liegt unter anderem daran, dass viele amerikanische Unternehmen neben der Dividende eigene Aktien zurückkaufen und damit nur einen Teil des verfügbaren Geldes direkt an die Aktionäre weitergeben. Aktienrückkäufe verbessern Kennziffern wie den Gewinn je Aktie und steigern damit zumindest in der Theorie den Kurs. Außerdem muss ein Unternehmen nach Rückkäufen bei der nächsten Ausschüttung weniger Papiere bedienen.
Zudem hat jedes Land einen eigenen Rhythmus: in Deutschland wird das Geld meist auf einen Schlag nach der Hauptversammlung ausgezahlt. Hochsaison ist darum im April und Mai. In den USA strecken die Unternehmen ihre Ausschüttung in der Regel über vier Quartale. Statt einer einzigen großen Überweisung gibt es somit vier kleinere Zahltage. Das verschafft den Unternehmen mehr Flexibilität. Für Investoren, die mit der Dividende einen Teil ihres Lebensunterhalts bestreiten, hat der Quartalsrhythmus den Charme, dass sich die Ausschüttung besser an die eigenen Bedürfnisse anpassen lässt. Eine große Einmalzahlung verleitet vielleicht dazu, das Geld lieber auf einen Schlag auszugeben.
Wer sein Depot geschickt zusammensetzt, kann dann sogar jeden Monat Quartalsdividende kassieren. Schon drei Aktien reichen. Ein Beispiel: Cisco Systems zahlt gewöhnlich im Januar, April, Juli und Oktober; der Telekomkonzern Verizon im Februar, Mai, August und November; Royal Dutch Shell im März, Juni, September und Dezember.

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