Anlegerbrief März 2018

Börse aktuell: Kein Zuckerbrot, nur Peitsche

Sehr geehrter Anleger,

das Ende des freien Welthandels scheint eingeläutet. Ob USA, China oder auch Großbritannien – mächtige Handelsnationen wollen nur noch nach ihren eigenen Spielregeln Handel treiben. Es wird zwangsläufig zu mehr Abschottung und Zollgrenzen führen.

US-Präsident Trump ist da nur die lauteste und offensichtlichste Stimme in der Welt, die Chinesen gehen subtiler, aber nicht minder hart vor. Und leider hat man wieder einmal den Eindruck, Kontinentaleuropa könnte zwischen den Eigeninteressen von Amerika und Asien zerrieben werden, obwohl die EU immer noch den größten Marktplayer im globalen Welthandel darstellt. Verschiedene volkswirtschaftliche Studien zeigen zwar, dass freier Handel für alle besser ist und dass Importzölle und Handelsbeschränkungen international zu Wohlfahrtsverlusten führen, aber Protektionismus, Egoismus und Nationaldenken ist wieder stark en vogue.

Was den Politikern in ihrer Wählergunst nutzen mag, schmeckt den Börsianern aber noch lange nicht.

 

Börse aktuell: Kein Zuckerbrot, nur Peitsche

Seitdem Trump die Importzoll-Peitsche ausgepackt hat und wichtige Handelspartner der USA sich genötigt sehen, zum Männchen machen anzutreten, um eine Ausnahmeregelung zu erheischen, stottert der Aktienmarkt in den USA merklich. Hatte sich Trump Ende Januar noch in den Höchstständen der Börse gesonnt und sich die Hausse auf die eigenen Fahnen seiner Politik geschrieben, so war die Herrlichkeit im Februar vorbei. Seitdem läuft der Ball nur noch unrund mit Hang zur Schwäche.

Macht Trump seine Drohungen wahr, droht besonders der deutschen Wirtschaft Gefahr, die mit ihren hochwertigen Gütern sehr von freien Marktströmen profitiert - gerade im Automobil- und Maschinenbau, das Herzstück der Deutschen. Trump hat das hohe Handelsdefizit der USA gegenüber Deutschland ins Visier genommen und will es unbedingt drücken. Deutsche Großkonzerne haben eigene Werke in den USA und können Importzölle vielleicht umgehen, für kleinere mittelständische Firmen wird es schwierig. Zumal Trump´s Maßnahmen nicht allein bleiben werden. Wenn einer anfängt, ziehen bald andere nach. China hat bereits mit entsprechenden Antworten gedroht. Und natürlich sieht sich auch die EU genötigt, mehr oder minder in den Handelskrieg einzusteigen. Während Trump Investitionsgüter wie Stahl und Aluminium aufs Korn nimmt, nimmt die EU Erdnussbutter, Soja und Whisky ins Visier – auch interessant. ;-)

Die nächsten Wochen werden somit spannend, zumal die Börse ab April/Mai ohnehin in eine saisonal schwächere Phase eintritt. Aber das Jahr ist noch lang.

Edelmetalle: Was jetzt für Gold spricht

Edelmetalle: Was jetzt für Gold spricht

Trotz schwankender Kurse halten viele Investoren Aktien die Treue. Zudem steigen die Renditen auf Anleihen. Der Todesstoß für Gold als Geldanlage? Mitnichten. Denn zunehmend hält die Sorge über eine anziehende Inflation die Märkte in Atem. Im Aktien-Flash-Crash im Februar zeigte sich Gold wesentlich stabiler und gab gerade mal 2% ab. Eine Feinunze kostet inzwischen 1320 USD. In den letzten Monaten ist Gold etwas in Vergessenheit geraten; aber es gibt wieder mehr Gründe, warum es wieder mehr zum Thema werden könnte:

 

(a) Inflation

Die Notenbanken suchen sie, Verbraucher fürchten sie: die Inflation. Mit der Wirtschaft wachsen meist auch die Löhne und damit die Kaufkraft der Bürger. Um eine gewisse Preisstabilität zu gewährleisten, peilen die großen Notenbanken, sowohl die Europäische Zentralbank als auch die US-amerikanische Federal Reserve, eine Teuerungsrate von 2% an. In den USA lag die Inflation im Januar schon bei 2,1%, in Europa bei 1,3%. Zugleich aber bleibt die Verzinsung klassischer Geldanlagen hinter der Inflation zurück. Null Zinsen sind die Regel, nicht die Ausnahme. Wer Erspartes auf Konten hortet, verliert wegen der Teuerungsrate also an Kaufkraft. Gold kann helfen, diesen Kaufkraftverlust zumindest abzumildern. Gold-Fans bemühen für die Werthaltigkeit häufig einen Vergleich: schon früher konnten sich die Römer für eine Feinunze Gold eine hochwertige Toga kaufen, ein feines Gewand. Heute bekommt man dafür einen guten Anzug.

Die zunehmenden Sorgen über Inflation, die höher ausfällt als erwartet, könnten Investoren zu Gold greifen lassen. Der World Gold Council, eine Lobbyvereinigung für die Goldminen-Unternehmen, hat die Vorzüge des Edelmetalls zu verschiedenen Zinsphasen in den USA berechnet. Fazit: wenn die reale Verzinsung kurzläufiger US-Staatspapiere, also abzüglich Inflation, zwischen null und vier Prozent beträgt, seien die Erträge von Gold positiv. Wenn die reale Verzinsung im negativen Bereich liegt, betrage der monatliche Ertrag auf Gold sogar 1,4%.

(b) Überhitzte Anlagepreise

Nicht nur an den Börsen auch in anderen Asset-Klassen wie Immobilien wird von Rückschlagpotentialen gesprochen, weil die Preise in den vergangenen Jahren so stark gestiegen sind. Die Bundesbank erklärt in ihrem Finanzstabilitätsbericht, dass die Wohnungspreise in deutschen Metropolen um 15-30% überhöht seien und auch schon in der Fläche Übertreibungen ankämen. Die Niedrigzinspolitik der Notenbanken lässt Investoren in Sachwerte fliehen, was wiederum die Preise treibt. Die Notenbanken haben den Krisenmodus mit der lockeren Geldpolitik zu lange beibehalten, so dass sich die Marktteilnehmer an die anhaltend niedrigen Zinsen zu sehr gewöhnt haben. Kommt der Entzug, könnten die Konsequenzen an den Märkten enorm sein. Die Volatilität wird dann wohl zunehmen, auch wenn die Notenbanken versuchen werden, die Märkte zu beruhigen. Mittel- bis langfristig stützt das jedoch den Goldpreis.

(c) Hohe Schuldenlast

Sorgen macht Anlegern zudem die hohe Verschuldung weltweit. Denn die Schuldenlast wurde seit Ausbruch der Finanzkrise nicht etwa geringer, sie wiegt immer schwerer. Laut der Bankenlobby „Institute of International Finance“ ist die Verschuldung von Staaten, Unternehmen, Banken und privaten Haushalten in den vergangenen zehn Jahren auf mittlerweile 232,9 Billionen Dollar gestiegen. Sollte die US-Notenbank Fed ihren Zinserhöhungskurs halten und die großen Notenbanken ihrem Vorbild folgen, könnte das negative Auswirkungen haben. Die Verteuerung des Schuldendienstes könnte zu neuen Turbulenzen führen und die Anleger in den sicheren Hafen Gold treiben.

(d) Gedämpfte Nachfrage

Während Aktienkurse und Immobilienpreise immer neue Rekordwerte erreichen, liegt Gold derzeit weit hinter seinem Allzeithoch von 1.900 USD, markiert im September 2011. Der Grund liegt auf der Hand: die Nachfrage war zuletzt eher mäßig. Während bei Aktien Dividenden und bei Immobilien Mieteinkünfte locken, sind bei Gold Gewinne nur durch Kurszuwächse möglich, die durch eine zunehmende Nachfrage ausgelöst werden.

Um Verluste an den Aktienmärkten zu kompensieren, scheinen in den letzten Wochen ETF-Anleger aber eher Gold verkauft zu haben. Der weltgrößte Gold-Indexfonds, der SDPR Gold Shares mit 35 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung, verzeichnete jüngst einen Abfluss von knapp 900 Millionen USD. Den Goldpreis brachte das aber nicht ins Schlingern.

Laut des jüngsten Berichts des World Gold Council ist die Goldnachfrage im vergangenen Jahr um 7% auf 4.072 Tonnen gefallen. Das lag vor allem an einer schwachen Investmentnachfrage, die um 23% eingebrochen ist. Gerade Indexfonds auf Gold gelten als Anlagevehikel von Profi-Investoren. Für die waren im vergangenen Jahr Aktien aber die eindeutig attraktivere Alternative. Die meisten Marktteilnehmer legen diese Faktoren als Argument für fallende Goldpreise aus. Man kann es aber auch anders sehen: das aktuell geringe Interesse zeigt womöglich, dass das Potential beim Edelmetall alles andere als ausgeschöpft ist.

Aktien: Prognosen ohne Wert

Aktien: Prognosen ohne Wert

Immer mehr Firmen verfehlen ihre eigenen Geschäftsprognosen. Die schlechte Nachricht: Korrekturen nach unten haben dabei deutlich größere Auswirkungen als Ausreißer nach oben.

Es war eine negative Überraschung für hiesige Anleger: völlig unerwartet ging die Aktien von Schaeffler auf Talfahrt, nachdem der Auto- und Industrie-Zulieferer Anfang diesen Monats wiederholt seine Gewinnaussichten nach unten geschraubt hatte, und damit den Anteilseignern erneut vor den Kopf stieß. Durch einen Konzernumbau würden Einmalkosten und Investitionen entstehen, erklärte der Vorstandschef die enttäuschenden neuen Prognosen beim Großaktionär des DAX-Konzerns Continental. Doch Investoren zeigten wenig Verständnis dafür, und ließen die Schaeffler-Papiere binnen Minuten um mehr als ein Zehntel einbrechen.

Schaeffler befindet sich in guter Gesellschaft. Denn immer häufiger sehen sich Unternehmen in Deutschland gezwungen, ihre Geschäftsprognosen zu korrigieren: 59% der bedeutendsten in Deutschland börsennotierten Firmen haben 2017 ihre ursprünglichen in Aussicht gestellten Umsatz- und Gewinnzahlen revidiert. Das sind 21 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr und so viel wie noch nie seit 2011. In absoluten Zahlen: 155 Korrekturen im Jahr 2016, 294 im Jahr 2017. Das sind die Ergebnisse einer aktuellen Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY. Für die Analyse wurden alle 304 Unternehmen aus dem Prime Standard der Frankfurter Börse betrachtet.

Das hat gravierende Folgen für Anleger: Analysteneinschätzungen zu einzelnen Dividendenpapieren und auch für Börsenmesslatten wie DAX und Co. werden fehleranfälliger. Besonders deutliche Spuren an den Börsen hinterlassen solche Korrekturen, wenn die ursprünglichen Vorhersagen, wie jüngst bei Schaeffler, nach unten angepasst werden: um durchschnittlich 8% ließen Gewinn- und Umsatz-Warnungen dann den Aktienkurs binnen einer Woche abrutschen. Korrekturen dieser Art kommen trotz des Wirtschaftsbooms in Europa inzwischen deutlich häufiger vor: im vergangenen Jahr wurden 95 Gewinn- oder Umsatzwarnungen gezählt, das waren 44% mehr als im Vorjahr und der höchste Wert seit 2011, als die Erhebung erstmals durchgeführt wurde.

Vier maßgebliche Gründe dafür listet die Studie von EY auf: steigende Rohstoffpreise, der Höhenflug des Euros, der neue Kurs der US-Regierung und die nachlassende Dynamik der britischen Wirtschaft führen bei einigen Unternehmen zu spürbaren Einbußen - je nachdem, ob und in welcher Form sie auf den betroffenen Märkten aktiv sind.

Es gibt aber auch gute Nachrichten für Aktionäre. Denn auch erfreuliche Abweichungen nach oben kletterten im vergangenen Jahr auf einen neuen Höchststand. Hier hat sich die Zahl im Vergleich zu 2016 mehr als verdoppelt, von 89 auf 199. Wermutstropfen für Anleger ist allerdings: positive Überraschungen wirken sich in der Regel nicht einmal halb so stark auf die Aktienentwicklung aus. Aufwärtskorrekturen führen im Schnitt nur zu einem Kursgewinn von 3% binnen einer Handelswoche.

Mit besonders vielen Korrekturen nach oben haben 2017 im DAX gelistete Konzerne ihre Anteilseigner überrascht: 47% der Schwergewichte aus Deutschland erster Börsenliga erhöhten ihre Geschäftsprognose mindestens einmal, mehr als in allen anderen Segmenten. Und nur jeder zehnte der 30 Blue Chips enttäuschte Investoren mit Abwärtsrevisionen. Auch hier schneidet der DAX besser ab als die übrigen hiesigen Börsensegmente.

Die Ursache für steigende Tendenzen liegt vor allem im volkswirtschaftlichen Aufschwung: die Konjunktur hat sich in den vergangenen Monaten besser entwickelt als erwartet, sowohl in Europa als auch in anderen Regionen wie Asien und Nordamerika. Was Anleger in diesem Fall gefreut haben dürfte, wird für Analysten jedoch zum Problem: die Gewinnprognosen erweisen sich als extrem unsicher. Die Schätzfehler sind hoch. Das hat laut Experten beispielsweise maßgeblich dazu beigetragen, dass sich der deutsche Leitindex DAX im vergangenen Jahr mit einem Plus von mehr als 12% knapp sechsmal stärker entwickelte als es die meisten Strategen der Geldhäuser zuvor bei ihren Zwölf-Monats-Prognosen vorausgesagt hatten. Unterschätzt hatten die Marktbeobachter genauso wie die Firmen die Dynamik des Wachstums in den entwickelten Volkswirtschaften. Vor allen aus Furcht vor den zahlreichen politischen Krisen wurden sehr defensive Gewinnschätzungen zugrunde gelegt.

Unsere Einschätzung:

Die Studie von EY deutet darauf hin, dass sich Anleger wenig auf Prognosen verlassen sollten. Unternehmerische Geschäftsentwicklungen sind letztlich immer auch unsicher – im positiven wie im negativen Sinne. Auch politische Entscheidungen sind wenig berechenbar. Bestes Beispiel ist die US-Steuerreform, die Ende 2017 beschlossen wurde: während etwa Daimler und BMW daraufhin ihre Gewinnprognosen erheblich nach oben korrigierten, wiesen Konzerne wie die Deutsche Bank auf zusätzliche Belastungen in Höhe von rund 1,4 Milliarden Euro im vierten Quartal hin, was den Kurs abstürzen ließ.

Wer ein Anlagekonzept sucht, das völlig ohne Prognosen auskommt, wird bei unserem ETF-Anlagekonzept SOKRATES(MOAR) fündig: Hier werden unterschiedliche Anlageklassen (Aktien, Zinsen, Edelmetalle) miteinander kombiniert, so dass ein Ausgleichseffekt entsteht. Zusätzliche antizyklische Komponenten sorgen für attraktive Renditemöglichkeiten.

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