Anlegerbrief Juni 2020

Börse aktuell: Verhasste Kursrallye

Sehr geehrter Anleger,

man traut seinen Augen nicht, aber der amerikanische Technologieindex NASDAQ hat tatsächlich ein neues Allzeit-Hoch erreicht. Doch statt allgemeiner Freude mutiert die aktuelle Kursrallye zur meistgehassten Hausse in der Börsengeschichte.
Lesen Sie außerdem, wie auch Gold von der Corona-Krise profitiert und warum man Lebensversicherungspolicen getrost links liegen lassen kann.

Börse aktuell: Verhasste Kursrallye

Corona hat die Welt und die Börse im Sturm in Beschlag genommen. Doch so schnell wie sich die Viruswelle aufbaute, so schnell scheint der Spuk auch schon wieder vorbei zu sein - zumindest wenn man die Börse als Maßstab nimmt. Sollten die Ignoranten der Virus-Epidemie, allen voran Mr. Trump, der es als vorübergehendes Phänomen einstuft und möglichst rasch zurück zur Normalität will, etwa Recht bekommen!? Mediziner sind skeptisch. Eine weitere Viruswelle wird als wahrscheinlich angesehen, wenn die Schutzmaßnahmen einfach aufgehoben würden.

Die Börse ist da zuversichtlicher. Konnte man den Anstieg der Aktienkurse im April noch als überfällige Zwischenerholung des heftigen Kursabsturzes im März abtun, muss man nun nach weiteren massiven Kurssteigerungen konstatieren, dass wir mitten in einer V-förmigen Erholung zurück zu den alten Höchstständen im Februar sind. Im US-Technologieindex NASDAQ ist das V sogar schon vollendet. Der Index markiert bereits neue Allzeit-Hochs, nachdem viele der Techwerte von der Krise sogar profitierten.

Die Kurshausse wird genährt von der allgemeinen Skepsis der Marktteilnehmer, dass es das schon gewesen sein soll. Die Skepsis scheint durchaus begründet, denn die Hoffnung, dass sich die wirtschaftlichen Auswirkungen des temporären Shutdowns in Grenzen halten werden, muss sich erst noch der Realität stellen: nur wenige Branchen oder Firmen sind praktisch gar nicht von den Schutzmaßnahmen gegen das Virus betroffen oder gehen sogar als Gewinner aus der Krise hervor. Die meisten Branchen spüren sehr wohl die Folgen oder können die weiteren Konsequenzen noch nicht abschätzen. Der Hauptknackpunkt bleibt in vielen Bereichen das Verhalten der Verbraucher: Werden die Konsumenten zu ihrem alten Verhalten zurückkehren? Und zwar in der Intensität wie vorher? Wird es Nachholeffekte geben oder einfach nur unwiderrufliche sunk cost durch den Shutdown? Für Gastronomie, Tourismus und Verkehr sieht es schlecht aus. Der industrielle Sektor sucht sein Heil in Kurzarbeit und Kosteneinsparungen. Wo sehen die Optimisten den Aufschwung, der die aktuellen Kurssteigerungen sowie die Aktienbewertungen, die mittlerweile sogar das Vor-Krisen-Niveau überschritten haben, rechtfertigen würde!?

Viele Marktteilnehmer trauen daher der neuen Euphorie am Markt nicht und setzen auf einen weiteren Rückschlag, ausgelöst von einer zweiten Virus-Welle. Dass die Aktienkurse stattdessen in Riesenschritten nach Norden streben, wird wohl als die meistgehasste Hausse in die Börsengeschichte eingehen. Nicht mal die verheerenden Arbeitslosenzahlen aus den USA konnten den Markt wieder drücken. Im Gegenteil: Schlechte Nachrichten führten absurderweise sogar zu noch höheren Kursen. Der Drang der Kurse zu den alten Höchstständen wird zunehmend schmerzhaft für Anleger, die weiterhin auf fallende Kurse warten. Doch so schnell wollen sie sich nicht geschlagen geben, und dies führt zu viel Volatilität am Aktienmarkt, vor allem dann wenn zum Beispiel ein Notenbanker nicht genau das sagt, was der Markt hören will.

Verantwortlich für die Kursrallye ist nicht ein wirtschaftliches Wiederaufbäumen, sondern die freie Liquidität, die durch die Notmaßnahmen der Notenbanken und billionenschweren Hilfs- und Konjunkturprogramme der Regierungen in den Markt gepumpt werden. Man kann nur hoffen, dass die Geldschwemme nicht einfach nur am Kapitalmarkt ankommt, sondern vor allem auch an den Stellen, wo es notwendig ist.

Die Auswirkung mangelnder Anlagealternativen im Niedrigzinsumfeld kennt man bereits von den Preissteigerungen der letzten Jahre im Immobilienmarkt. Man muss fest davon ausgehen, dass ähnliche Preisverwerfungen am Aktienmarkt drohen, solange sich die Geldschleusen immer weiter öffnen. Unter Börsianern hat sich der Slogan „Never fight the FED“ eingebürgert, will heißen: sich bloß nicht gegen die Notenbankpolitik stellen, egal was die Fundamentaldaten sagen. Es muss allen Anlegern, die von ihren Positionen auf fallende Kurse nicht ablassen wollen, eine Warnung sein.

Edelmetalle: Gold in Bestform

Gold in Bestform

Gold stieg im April auf den höchsten Stand seit fast acht Jahren. Die Virus-Pandemie treibt den Preis und hemmt ihn gleichzeitig.

Das gelbe Metall ist ein Klassiker zur Vorsorge für Krisenzeiten. Kein Wunder also, dass im Zuge der Ausbreitung des Coronavirus die Nachfrage der Investoren nach Gold hoch ging. Das zeigt sich insbesondere in den Beständen der Gold-Indexfonds (ETFs). Diese folgen dem Preis des Edelmetalls und sind meist mit Barren hinterlegt, um die Ansprüche der Anteilseigner zu sichern. Allein seit Anfang März wuchs der Bestand der von der Nachrichtenagentur Bloomberg verfolgten Gold-ETFs um 53 Tonnen. Ihr Gesamtvolumen bewegt sich mit 2700 Tonnen auf Rekordniveau. Seit Jahresbeginn ist in die Produkte bereits mehr als die Hälfte der Summe geflossen, die im gesamten Jahr 2019 auflief.
Die hohe Nachfrage der langfristig orientierten Anleger ist ein entscheidender Treiber für den Goldpreis. Und so übertraf der Preis pro Feinunze (31,1 Gramm) erstmals seit Ende 2012 wieder die Marke von 1.700 USD und hat sich nun in dieser Preisregion zunächst mal etabliert.

Der Goldpreis profitiert in der Virus-Zeit von der Suche der Investoren nach sicheren Häfen, aber auch von der Geldpolitik. Um die Wirtschaft zu stützen, haben die Notenbanken weltweit damit begonnen, ihre Leitzinsen zu senken, allen voran die US Notenbank. Niedrige Zinsen beflügeln traditionell den Goldpreis, denn im direkten Vergleich zu festverzinslichen Wertpapieren sinken die Opportunitätskosten: Das Edelmetall zahlt schließlich keine Zinsen, dieser Nachteil fällt somit geringer aus. In Zeiten von Negativzinsen wird es sogar zu einem Vorteil, denn Gold kostet auch keine Zinsen. Das anhaltende Niedrigzinsniveau gilt als einer der Haupttreiber der Goldhausse, die den Preis schon 2019 um fast 19% steigen ließ.
Die Virus-Krise bremst den Goldpreis allerdings auch. Insbesondere in Asien ist die Nachfrage nach physischem Gold eingebrochen. Viele Juweliere hatten ihre Geschäfte geschlossen, potentielle Gold-Käufer haben aus Angst vor Ansteckung ihre Wohnung nicht verlassen. So sind die indischen Goldimporte im Februar im Vergleich zum Vorjahr um 44% zurückgegangen, nachdem sie sich bereits im Januar mehr als halbiert hatten. China und Indien machen zusammen über die Hälfte der weltweiten Gold-Nachfrage aus. Der hohe Goldpreis in lokaler Währung verstärkt ebenfalls die Zurückhaltung der Käufer. Weiterhin dürfte der Einbruch der Aktienmärkte im Februar/März viele Anleger unter Druck gesetzt und damit zu Zwangsverkäufen bei Gold geführt haben, um anderweitige Verluste auszugleichen oder um Nachschusspflichten nachzukommen.

Unsere Einschätzung:
Wer sich in Gold engagieren möchte, sollte sich bewusst sein, dass das Edelmetall aktuell hohen Schwankungen unterliegt. Seine Volatilität stieg in den vergangenen Tagen auf den höchsten Stand seit vier Jahren. Im Zuge des Börsen-Crashs geriet an einigen Tagen auch Gold unter die Räder und verlor deutlich. Die negative Korrelation, die häufig zwischen Aktien und Gold besteht, galt in den vergangenen Wochen nur eingeschränkt. Bestes Beispiel: als die EZB-Chefin Christine Lagarde kürzlich über die Maßnahmen der europäischen Zentralbank informierte, brachen Aktien und Gold gleichzeitig ein. Die Anleger hatten von den europäischen Währungshütern offensichtlich kraftvollere Maßnahmen erwartet, um die Auswirkung der Pandemie auf die Wirtschaft abzumildern. Momentan reagiert selbst Gold nervös auf Marktereignisse.
Gold und Platin sind dauerhafter Bestandteil in unserem ETF-Anlagekonzept SOKRATES(MOAR), das aus vier langfristig unkorrelierten Anlageklassen zusammengesetzt ist.

Lebensversicherungen: nach Kosten garantiert negativ

Anlegerfrust bei Lebensversicherungen

Die Lust auf private Vorsorge fürs Alter dürfte den meisten Deutschen angesichts der mickrigen Anlagezinsen vergangen sein. Gerade das klassische Altersvorsorgeprodukt – die Lebensversicherung – hat in ihrer traditionellen Form mit garantierter Mindestverzinsung kaum mehr eine Existenzberechtigung. Der im Volksmund bekannte „Garantiezins“ ist eigentlich als Obergrenze für die Versicherer gedacht, damit sie Kunden nicht mit allzu kühnen Zinsversprechen ködern. Der Gesetzgeber hat diesen Zinssatz seit 2017 bei nur noch 0,90% p.a. fixiert.
Der Garantiezins gilt jedoch nur für den Sparanteil der eingezahlten Beiträge. Denn von den Beiträgen werden noch Verwaltungskosten abgezogen. Nach einer Berechnung des Analysehauses Morgen & Morgen fielen bei Policen mit einer Laufzeit von zehn Jahren im Schnitt rund zwei Prozent für die Verwaltung und fast fünf Prozent für den Vertrieb an. Das führt unweigerlich zu negativen Renditen für den Sparer, vor allem bei kürzerer Policenlaufzeit: Im Normalfall dürfte bei diesen klassischen Policen die garantierte Leistung geringer sein als das, was der Kunde einzahlt.

Zum Glück gibt es ja noch die Überschussbeteiligung, könnte man denken. Doch auch da keine Entwarnung: Die Versicherer unterliegen dem gleichen Anlagedilemma im Nullzinsumfeld wie jeder andere Anleger auch. Seit Jahren sinkt daher die laufende Verzinsung in den Policen. Diese beinhaltet neben den Garantien auch die Überschüsse, die ein Versicherer anderweitig erzielt, und stellen einen wichtigen Teil für die Rendite der klassischen Policen dar. Im Marktdurchschnitt werden aber hier nicht mal mehr 3% p.a. erreicht – zu wenig, um die oben genannten Kosten wesentlich überkompensieren zu können. Herbe Enttäuschungen gab es da schon bei vielen Anlegern, die bei Auszahlung feststellen mussten, dass die ursprünglichen Renditeprognosen weit verfehlt wurden.

In Zeiten des allgemeinen Zinsschwundes sind die Versicherer deshalb dazu übergegangen, neue Policen mit alternativen Garantiesystemen anzubieten und vermehrt Fondspolicen mit höherer Aktienquote zu propagieren, bei denen der Sparer bezüglich der erzielbaren Rendite selbst ins Risiko geht. Die Variantenvielfalt an neuen Versicherungsprodukten macht einen direkten Vergleich schwierig. Sicher ist jedoch, dass relativ teure Fondspolicenprodukte in Wettbewerb treten gegen sehr kostengünstige Indexfonds (ETFs), die sich jeder Anleger selbst zusammenstellen kann. Der dauerhafte Nutzen aus Renditegesichtspunkten bleibt somit fraglich.


Unser Rat:
Sofern man mit der Police nicht gewisse schenkungs- und erbschaftsteuerliche Gestaltungsmöglichkeiten ausnutzen will, lohnt sich der Abschluss einer Lebensversicherungspolice als langfristige Kapitalanlage in der Regel nicht. Da sind Direktinvestments in Aktien, Fonds und ETFs wesentlich interessanter und als Sparplan heutzutage ebenso einfach umsetzbar.

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