Anlegerbrief Juni 2018

Börse aktuell: Falken machen Kurse

Sehr geehrter Anleger,

Eine ereignisreiche Woche liegt hinter uns: Zwei Halb-Wahnsinnige treffen sich in Singapur und schwenken das Abrüstungsfähnchen, nachdem sie zuvor beinahe aufeinander losgegangen wären. Das Treffen zwischen USA und Nord-Korea war vielleicht für das Friedensnobelpreis-Komitee von Interesse – für die Börse war es ein Non-Event. Ohnehin kann keine der beiden säbelrasselnden Parteien als glaubwürdig gelten.

Mehr Einfluss auf die Kurse hatten da schon die Notenbanksitzungen der amerikanischen Fed und der europäischen Zentralbank EZB. Beide erfüllten zwar den von ihnen erwarteten Fahrplan, dennoch verteilten beide kleine Überraschungsbonbons:

Börse aktuell: Falken machen Kurse

Die Amerikaner haben – wie von den Marktteilnehmern bereits eingepreist – die Zinsen um weitere 0,25% auf eine Spanne von nunmehr 1,75 bis 2,00% angehoben. Gleichzeitig signalisierte die Notenbank aber einen strammeren Zinskurs für den Rest des Jahres. Die Wirtschaft in den USA liefe so gut, dass statt einer weiteren nun sogar zwei weitere Zinserhöhungen möglich erscheinen. Die Fed gibt sich damit „hawkisher“ (aggressiver wie ein Falke) als vermutet, d.h. die Geldpolitik wird womöglich nochmals etwas straffer. Die US-Blue-Chips im Dow Jones hielten darauf erst mal inne, nachdem sie in den letzten Wochen einen 1000-Punkte-Spurt hingelegt hatten.
Auch Mario Draghi hat die Märkte zunächst zufriedengestellt, indem er nichts tat und die Zinsen unverändert lässt. Doch auch er signalisierte nun ein Ende der expansiven Geldpolitik für Mitte 2019. Noch in diesem Jahr soll das Anleihenkaufprogramm der EZB auslaufen; erste Zinserhöhungen sind dann in gut einem Jahr möglich. Die Marktteilnehmer trugen es mit Fassung, ja eher mit Erleichterung, denn es war klar, dass die Party irgendwann zu einem Ende kommen muss. Für gut ein Jahr darf aber weiter getanzt werden. Das klingt schon mal nicht schlecht und gibt dem hiesigen Aktienmarkt Rückenwind. Die Suppe versalzen könnte nur wieder das leidige Thema Handelskrieg, denn nach Stahl und Aluminium hat sich Trump nun die Automobilwirtschaft vorgenommen und macht nun auch Richtung China mit Strafzöllen ernst. Der Wahnsinn treibt weiter Blüten.

US-Aktienmarkt: Ende einer Ära

US-Aktienmarkt: Ende einer Ära

GE ist raus! Der angeschlagene Siemens-Rivale General Electric (GE) ist bei den Anlegern derart in Ungnade gefallen, dass GE den US-Leitindex Dow Jones Industrial Average an der New Yorker Börse verlassen muss. Der Indexbetreiber S&P Dow Jones Indices hat beschlossen, GE durch die Drogerie- und Apothekenkette Walgreens Boots Alliance zu ersetzen.

Der Niedergang der US-Industrie-Ikone GE geht damit weiter: Für den über 125 Jahre alten Großkonzern, dessen Wurzeln auf den Glühbirnen-Erfinder Thomas Edison zurückgehen, ist der erste Abstieg aus dem Index der 30 größten US-Unternehmen seit über 110 Jahren ein großer Rückschlag. GE zählte zu den Gründungsmitgliedern, als der Dow Jones 1896 an den Start ging, und war seit 1907 ununterbrochen dabei.
Dass die Aktie nun aus dem Leitindex herausgenommen wird, ist jedoch nicht allzu überraschend: Der Dow Jones ist ein kursgewichteter Index, und GE repräsentiert mit einem Aktienkurs von unter 13 USD inzwischen weniger als ein halbes Prozent des gesamten Index. Seit Ende 2016 hat sich der Aktienkurs praktisch gedrittelt.

Der Dino der US-Wirtschaft steckt in einer seiner größten Krisen. Bislang ist es dem neuen Vorstandschef John Flannery, der im August den viel kritisierten Jeff Immelt ersetzte, nicht gelungen, Anlegern Hoffnung auf eine Trendwende zu machen.
GE befindet sich schon seit Jahren in einem radikalen Konzernumbau. Nach schlechten Erfahrungen in der Finanzkrise zog sich das Unternehmen aus dem Geschäft mit Finanzdienstleistungen, das einst über die Hälfte des Umsatzes beisteuerte, weitgehend zurück. Doch obwohl die Tochter GE Capital fast komplett eingestampft wurde, hat sie noch große Risiken in den Büchern. Im ersten Quartal sorgte eine hohe Rückstellung aufgrund von Ermittlungen der US-Justiz wegen zweifelhafter Hypothekengeschäfte für einen Verlust von 1,2 Milliarden Dollar.
Auch die Rückbesinnung auf das Industrie-Kerngeschäft lief bislang schlecht. In den vergangenen Jahren etwa wurde dies durch den Ausbau der Energiesparte erschwert, die stark unter dem Ölpreisverfall litt. Vor allem die Kraftwerksparte bereitet weiter Sorgen. Die Nachfrage im Turbinenbau stockt – das hat auch Siemens leidlich erfahren. Doch Siemens hat rechtzeitig interne Umstrukturierungsarbeiten vorgenommen, die GE noch bevorstehen. Es könnte ein langer Weg werden, aber vielleicht führt es das Unternehmen ja dann auch wieder in den Dow Jones zurück.

Währungen: Schwacher Euro als Warnsignal

Währungen: Schwacher Euro als Warnsignal

2017 war ein Aufwertungsjahr für die europäische Gemeinschaftswährung. Gegenüber dem US-Dollar hatte sich der Euro in relativ kurzer Zeit von 1,06 USD auf bis zu 1,25 USD hochgeschraubt. Dieses Jahr hingegen scheint sich der Trend schon wieder umzukehren. Mit der zweifelhaften Regierungsbildung in Italien kamen Ängste einer neuen Eurokrise auf, denn wenn sich Italien mit seinen Staatsschulden zu einem zweiten Griechenland entwickelt, würde angesichts der Größe und wirtschaftlichen Bedeutung des Landes eine Rettung durch die Staatengemeinschaft kaum mehr darstellbar sein. Das populistische Regierungsprogramm, das auf eine ungezügelte Ausweitung der Staatsschulden abstellt und damit eine Staatspleite innerhalb der Eurozone wieder als realistisches Szenario erscheinen lässt, brachte den Euro schlagartig unter Druck. Ganze 8 Cents verlor die Devise gegen den US-Dollar. Eine zeitweise Erholung wurde zudem diese Woche zunichte gemacht durch die zinsbullischen Töne der amerikanischen Notenbank, die überraschenderweise noch zwei weitere Zinserhöhungen für diese Jahr ankündigte, während sich der Markt auf nur eine weitere eingestellt hatte.

Die EU-Gemeinschaftswährung erlebt aktuell eine so dynamische Abwertung wie zuletzt vor mehr als drei Jahren. Zwar gilt normalerweise, dass eine Euro-Abwertung die Anleger am hiesigen Aktienmarkt jubeln lässt und die Notierungen von DAX und Co. befeuert. Denn ein Wertverlust des Euros lässt die im Ausland erzielten Erträge bei der Umrechnung in die Heimatwährung wie von Zauberhand wachsen. Davon profitieren vor allem stark internationalisierte Konzerne, die einen Großteil ihrer Umsätze außerhalb des Euroraums generieren - so wie die deutschen Börsen-Schwergewichte aus dem Leitindex DAX.
Doch zuletzt haben diese Aktien kaum noch von dieser Gesetzmäßigkeit profitiert. Obwohl der Euro mittlerweile nur noch um die 1,16 USD liegt, und damit auf dem Niveau von Mitte letzten Jahres, tat sich der DAX in den letzten Wochen schwer, die Marke von 13.000 dauerhaft zurückzuerobern. Denn mittlerweile sehen Profis in der Euro-Schwäche vor allem ein Warnsignal. Das sollten auch Privatanleger ernst nehmen.

Wegen des Konfrontationskurses der europa- und Euro-kritischen Protagonisten gegenüber ihren EU-Partnern und der europäischen Zentralbank könnte bald wieder die Solidität des Währungsraums auf den Prüfstand kommen. Sollte die drittgrößte Ökonomie tatsächlich aus dem Euro austreten, so wie es der designierte Wirtschaftsminister Paolo Savona anstrebt, wäre dies der Anfang vom Ende der Gemeinschaftswährung. Von ihr aber profitiert gerade Deutschlands Wirtschaft. Die Folgen eines Euro-Crash wären laut Ökonomen rückläufige Ausfuhren, sinkende Unternehmensgewinne und geringere Lohneinkommen sowie Konsumausgaben. Dieses Risiko preisen die Akteure an den Aktienmärkten zunehmend stärker ein als vorübergehende Wechselkursprofite in den Bilanzen der deutschen Blue Chips.

Unsere Einschätzung:
Die Währungsmärkte reagieren viel sensibler auf Veränderungen in der Weltpolitik. Nicht jede kleine Zuckung der Devisenkurse muss einen beunruhigen. Größere Verwerfungen in die eine oder andere Richtung sollten jedoch Anlass geben, die Lage der Märkte zumindest genauer unter die Lupe zu nehmen.

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