n-tv: Die Qualität entscheidet! Gute Dividenden - schlechte Dividenden

Im vergangenen Jahr haben die Dax-Konzerne insgesamt knapp 30 Milliarden Euro an ihre Aktionäre ausgeschüttet - macht im Durchschnitt rund eine Milliarde pro Unternehmen. In diesem Jahr könnte es noch mehr geben. Damit kommt der Dax auf eine Dividendenrendite von knapp drei Prozent - das ist rund zehn Mal mehr als das, was deutsche Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit derzeit bieten. Lesen Sie hier mehr zum Gastbeitrag von Dr. Marc-Oliver Lux zum Thema "Gute Dividenden - schlechte Dividenden", Dienstag, 14. März 2017

n-tv: Gastbeitrag von Dr. Marc-Oliver Lux

Wie wichtig Dividenden für den Anlageerfolg bei Aktien sind, verdeutlicht der Vergleich des Dax als Kurs- und Performanceindex. Der Kursindex, der wie international üblich die Dividenden nicht berücksichtigt, ist in den zurückliegenden zehn Jahren um weniger als 30 Prozent gestiegen. Der Performanceindex legte im selben Zeitraum dagegen um fast 80 Prozent zu. Als Faustregel gilt, dass etwa 40 Prozent des gesamten Anlageerfolgs bei Aktien aus den Ausschüttungen stammen.

Eine (zu) hohe Dividende beziehungsweise Dividendenrendite kann aber auch ein Warnsignal sein. So wiesen Bankaktien nach der Lehman-Pleite auffällig hohe Dividendenrenditen auf - und haben später massiv an Wert verloren. Ähnliches war bei den Versorgern zu beobachten, deren Aktien nach der 2008 eingeleiteten Energiewende einbrachen. Oder die Deutsche Telekom: Der Konzern hat jahrelang fast seinen gesamten Gewinn an seine Aktionäre ausgeschüttet, weil es dem Management offenbar an Ideen mangelte, wo und wie es in das operative Geschäft investieren könnte.

Dividenden als Anlagekonzept

Ein positives Zeichen ist es dagegen, wenn ein Unternehmen über einen langen Zeitraum eine gleichbleibende oder sogar steigende Dividende zahlt. Am besten bei einer vernünftigen Ausschüttungsquote. Aus dieser Idee ist in den USA das Anlagekonzept der Dividenden-Aristokraten entstanden. Dazu zählen Firmen, die mindestens 25 Jahre lang die Ausschüttung nicht gekürzt haben. Solche Aktiengesellschaften liefern ihren Anteilseignern nicht nur zuverlässig ein Einkommen. In der Regel entwickelt sich auch ihr Aktienkurs schwankungsärmer als bei unzuverlässigen Dividendenzahlern. Denn Anleger tendieren bei Unternehmen, die stabile sowie attraktive Dividenden zahlen und relativ gut planbare Gewinne versprechen, weniger schnell zu Verkäufen. Sektoren mit einem stabilen und nachhaltigen Dividendenwachstum verzeichneten in der Vergangenheit eine überdurchschnittliche Wertentwicklung: Hierzu zählen die Branchen Lebensmittel und Getränke, Gesundheit sowie Hygiene- und Haushaltsartikel.

Ein weiteres Qualitätsmerkmal ist es, wenn die Ausschüttungen auch tatsächlich verdient werden - also aus dem Cashflow stammen - und nicht aus der Substanz oder über Schulden finanziert werden. Dasselbe gilt übrigens auch für Aktienrückkaufprogramme, die gerne als indirekte Dividendenzahlungen betrachtet werden, und vor allem in den USA häufig fremdfinanziert sind. Es geht also nicht nur um die absolute beziehungsweise relative Höhe von Dividenden, sondern auch um deren Qualität.

Kein neuer Zins

So wichtig und stabilisierend "gute" Dividenden für den Anlageerfolg bei Aktien sind, ein neuer Zins sind sie nicht. Die Ausschüttungen können schwanken oder sogar ganz ausfallen. Außerdem gibt es bei Aktien im Gegensatz zu Anleihen keinen fixen Rückzahlungswert. Um das Anlagerisiko weiter zu vermindern ergibt es Sinn, Dividenden mit einem anderen Qualitätsmerkmal von Aktien zu verbinden

Erfolgversprechend ist die Kombination aus stabilen, langfristig möglichst steigenden Ausschüttungen mit starken Marken. Das gilt insbesondere in Zeiten einer anziehenden Inflationsrate, die in Deutschland zuletzt sprunghaft auf 2,2 Prozent gestiegen ist. Denn Hersteller von Markenartikeln verfügen über die Macht, bei einer steigenden Geldentwertung ihre Preise zu erhöhen. Dadurch können sie auch bei höheren Teuerungsraten ihre Margen und Gewinne verteidigen oder sogar ausbauen. Und die bilden wiederum die Basis für stabile Dividendenzahlungen. Über eine Dividendenrendite von mehr als drei Prozent und starke Marken verfügen zum Beispiel Nestlé (WKN A0Q4DC), Unilever (WKN A0JMZB) oder BAT British American Tobacco (WKN 916018).

Quelle: n-tv Gastbeitrag von Dr. Marc-Oliver Lux