Anlegerbrief September 2017

Börse aktuell: Zwischen Raketentests und Bundestagswahl

Sehr geehrter Anleger,

Ein „heißer“ Sommer liegt hinter uns. Nordkorea hat mit seinem Atomwaffenprogramm das weltpolitische Fieberthermometer immer wieder gefährlich ansteigen lassen. Zu Trump und Erdogan gesellt sich mit Kim Jong nun also ein weiterer „Wahn“-sinniger. Die Liste egomanischer Regierungschefs, zu denen man auch Putin in Russland und Maduro in Venezuela zählen würde, wird immer länger.
Dabei erscheint Putin mittlerweile sogar als der am wenigsten Fanatische, während alle anderen eint, dass sie ihren Anhängern eine die alte Welt über den Haufen werfende Perspektive aufzeigen und durch populistische Parolen die Wirklichkeit verzerren.

Börse aktuell: Zwischen Raketentests und Bundestagswahl

Kritik oder Aufklärung ist nicht erwünscht. Andersdenkende werden vielmehr kaltgestellt, in den USA – soweit es möglich ist - durch Entlassung, in der Türkei durch Gefängnis und in Nordkorea durch Hinrichtung.
Es ist noch offen, wie der Konflikt, den Nordkorea heraufbeschwört, gelöst werden kann, aber die Lernkurve der Börse ist kurz: nach den ersten Schocks gewöhnen sich Börsianer relativ schnell an ein neues Umfeld. Haben die ersten Raketentests und die Drohung, Guam anzugreifen, im Juli/August noch heftige Kursverluste ausgelöst, hat die Börse den jüngst 15. Raketentest über Japan praktisch vollkommen ignoriert. Wenn sich die Situation nicht weiter verschlimmert, ist das Thema Nordkorea in den Kursen eingepreist.

Wer im Urlaub war, hat in den letzten Wochen wahrlich nicht viel verpasst an der Börse. Nach einem Zwischentief im August sind die deutschen und europäischen Aktien wieder auf dem Niveau von Anfang Juli, in USA sogar eher höher.
In wenigen Tagen haben die Bundesbürger die Wahl. Dramatische Veränderungen wird die Bundestagswahl nicht mit sich bringen. Ohnehin scheint in unseren Breiten mit dem fulminanten Sieg Macron´s in Frankreich den Populisten ein wenig der Boden entzogen zu sein. Und das ist eine gute Botschaft für die Börse. Nun, nachdem der deutsche Aktienmarkt eben seine Sommerkonsolidierung beendet hat, kann er wieder sein altes Allzeit-Hoch auf den Schirm nehmen. Es könnte noch ein gutes Aktienjahr werden.

Private Vermögensanlage: Einlagensicherung

Private Vermögensanlage: Einlagensicherung

Die Europäische Union will Bankpleiten verhindern. Dabei helfen soll ein europäischer Sicherungsfonds, in den jede Bank der EU einzahlt und der bis 2024, dem Jahr, ab dem die gemeinsame Einlagensicherung gelten soll, 45 Milliarden Euro schwer sein soll. Bis dahin gelten noch die nationalen Sicherungssysteme.
Grundsätzlich gilt in Europa: Geht eine Bank pleite, haben alle Kontoinhaber einen Rechtsanspruch, ihr Geld bis zu 100.000 EUR (für Ehepaare mit Gemeinschaftskonto 200.000 EUR) zurückzubekommen. Dazu zählen Guthaben auf Giro-, Tages- und Termingeldkonten. Auch Zinsen, die zwar aufgelaufen, aber noch nicht gutgeschrieben wurden, werden erstattet. Derzeit darf es in Deutschland sieben Arbeitstage dauern, bis Kunden entschädigt sind. EU-weit beträgt die Frist in vielen Ländern noch 20 Tage. Bankkunden erhalten Ihr Geld automatisch zurück. Kunden, die zwischenzeitlich mehr Geld auf dem Konto haben, etwa weil sie ihre Privatwohnung verkauft oder eine Abfindung bekommen haben, sind hierzulande besonders geschützt. Wird ihre Bank zahlungsunfähig, gilt für sie sechs Monate lang eine Sicherungsgrenze von 500.000 EUR. Allerdings müssen Sie in diesem Fall einen Antrag stellen, um eine Entschädigung zu erhalten.

Wenn Kunden einer Privatbank durch eine Bankpleite über 100.000 EUR verloren haben, steht die private Einlagensicherung des Bankenverbands (BdB) für den dafür hinausgehenden Betrag gerade. Welche Summe je Kunde maximal abgesichert ist, richtet sich nach dem haftenden Eigenkapital der jeweiligen Bank. Bis 2025 wird die Sicherungsgrenze schrittweise von derzeit 20% des haftenden Eigenkapitals auf 8,75% gesenkt. Selbst dann beträgt die Absicherung noch mindestens 437.500 EUR. Anders als die gesetzliche Einlagensicherung umfasst der Fonds des Bankenverbandes auch Fremdwährungskonten (siehe auch www.bdb.de).
Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben eine eigene Institutssicherung: geht es einem Institut finanziell schlecht, wird es von den übrigen Verbandsmitgliedern unterstützt, bis es wieder solvent ist (mehr dazu unter www.dsgv.de für Sparkassen bzw. www.bvr.de für Genossenschaftsbanken).

Die 100.000-Euro-Grenze gilt in der gesamten EU. In EU Staaten wie Großbritannien, die eine andere Währung als Euro haben, wird entsprechend umgerechnet. Seit Juli 2015 erhalten Kunden von Banken aus dem Europäischen Wirtschaftsraum, die hierzulande eine Zweigstelle haben, im Ernstfall die Entschädigung von der deutschen Einlagensicherung (www.edb-banken.de). Die Ansprüche müssen nicht mehr im Ausland beantragt werden.

Unser Tipp:
Alle Anlagen in Wertpapieren (Aktien, Fonds, ETFs) werden übrigens im Falle einer Bankpleite ausgesondert vom Bankvermögen und fließen nicht in die Konkursmasse ein. D.h., Depotinhaber erhalten einfach ihre Papiere zurück. Die oben beschriebene Einlagensicherung bezieht sich nur auf nicht investierte Liquidität. Insofern sind Wertpapieranleger gut gegen eine Bankpleite geschützt.

Kryptowährungen: Platzt jetzt die Bitcoin-Blase?

Kryptowährungen: Platzt jetzt die Bitcoin-Blase?

Die einen halten es für wertloses Teufelszeug, die anderen für die Inkarnation eines neuen Zahlungssystems. Die Rede ist von Kryptowährungen, sprich digitalen Tauscheinheiten auf Basis der neuen Blockchain-Technologie. Das Ganze ist sehr komplex und für IT-Laien schwer verständlich, soll aber die Art und Weise, wie Daten und Informationen ausgetauscht werden, revolutionieren. Es reicht zunächst zu wissen, dass die Technologie auf Rechenleistung angewiesen ist und von ihren Nutzern – und nicht von einer zentralen Autorität - kontrolliert wird. Die Vergütung für die Zurverfügungstellung von Rechenleistung und für die Durchführung von Prüfprozessen erfolgt über eine Kryptowährung, unter denen Bitcoin nur die Bekannteste ist. Bitcoins, die sich im Umlauf befinden, kann man aber auch direkt über spezielle Marktplätze erwerben und auch wieder in echtes Geld umtauschen, eine Art Börsenhandel also.

Mehrere Jahre dümpelte der Gegenwert dieser Bitcoins im niedrigen Centbereich vor sich hin. Auch wenn Kryptowährungen schon als Ersatz für unser normales Geldsystem ausgerufen wurden – man denke nur an die Diskussion zur Abschaffung des Bargelds vor einigen Monaten -, so wirklich interessiert haben Bitcoins nur ein paar Freaks.
Mittlerweile jedoch sind Bitcoins zum Spekulationsobjekt mutiert. Als der Bitcoin-Preis in USD den Preis der Feinunze Gold (ca. 1.300 USD) überholte und weiter nach oben spurtete bis zuletzt fast 5.000 USD für 1 Bitcoin, wurde auch die Finanzwelt zunehmend aufmerksam auf dieses „Ding“. Mittlerweile beschäftigen sich sogar Chart-Techniker mit dem Bitcoin-Kurs, und es wird heiß diskutiert, ob und wie stark sich da eine Blase aufbläht und dass schon bald alles wieder in sich zusammenkrachen müsste/könnte/sollte. Vergleiche zur Tulpenmanie im 16. Jahrhundert, der ersten gut dokumentierten Spekulationsblase der Wirtschaftsgeschichte, liegen nahe.
Kurssprünge von mehreren Prozent pro Tag sind eher die Regel als die Ausnahme bei Bitcoins. In diesem Monat hat der Kurs von seinem Allzeithoch innerhalb von 2 Wochen 40% verloren. Auslöser war einerseits, dass die staatliche Regulierungsbehörde in China eine große Bitcoin-Börse geschlossen hat und dass der JPMorgan-Chef Jamie Dimon scharfe Kritik an der Kryptowährung Bitcoin übte: "Es ist keine reale Sache, irgendwann wird es geschlossen werden". Die Kryptowährung sei ein "Betrug" und werde irgendwann "in die Luft fliegen“. Anders als normale Währungen habe Bitcoin keine "legale Unterstützung". "Es ist schlimmer als die Tulpenblase, es wird nicht gut ausgehen. Irgendjemand wird getötet werden", sagte Dimon.

In Japan jedoch sind Bitcoins sogar als Zahlungsmittel offiziell anerkannt. Die europäischen Zentralbanken halten sich mit Äußerungen noch zurück und warnen nur, dass Bitcoins wenig geeignet für Privatanleger scheinen. Als bloßes Spekulationsobjekt stellen Kryptowährungen zunächst keine unmittelbare Gefahr für das heutige Finanzsystem dar, dafür ist die Technologie einfach noch zu jung. Aber man darf sich nichts vormachen: die Zentralbanken beobachten mittlerweile die weitere Entwicklung genau. Bestrebungen, bestehende Währungssysteme durch ein Digitalsystem ersetzen zu wollen, könnte massiven Widerstand der Staatsgewalt heraufbeschwören und dann durch Verbote zu einem schnellen Ende von Bitcoins als Spekulationsobjekt führen. Die staatlichen Aufsichten bleiben das Damoklesschwert der Kryptowährungen.

Unsere Einschätzung:
Vor dem Hintergrund bleiben Bitcoins eine heiße Kiste. Es gibt keine Anhaltspunkte, wo der richtige Preis für ein Bitcoin sein müsste. Die Rallye seit letztem Jahr schreit nach einer größeren Korrektur, doch jedes Zwischentief war nur ein weiteres Sprungbrett zu noch höheren Preisniveaus. Die Phantasien mancher Optimisten reichen bis zu 100.000 USD für 1 Bitcoin. Da scheint noch viel Luft nach oben. Oder ist das doch der Tulpenrausch!?

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