Anlegerbrief Juli 2017

BÖRSE AKTUELL - Notenbanken spielen Katz und Maus

Sehr geehrter Anleger,

War es nur ein Testballon oder deutet sich da etwa auch bei der Europäischen Zentralbank (EZB) eine Wende an? Die Äußerungen des europäischen Notenbankchefs Mario Draghi auf der Notenbankkonferenz im portugiesischen Sintra klangen jüngst deutlich optimistischer als bisher. Alle Zeichen deuteten auf eine Festigung und Verbreiterung der Erholung in der Eurozone hin. Die Gefahr von Deflation sieht Draghi mittlerweile gebannt. Die nicht mehr explizite Betonung, dass eine expansive Geldpolitik weiter notwendig sei, deutete der Markt als Signal, dass die EZB sich darauf vorbereite, ihre Staatsanleihenkäufe von derzeit 60 Mrd. Euro pro Monat ab Januar kommenden Jahres herunterzufahren.
Prompt ging der Euro in den Rallyemodus über, die Aktienmärkte in den Sturzflug und die Anleihenrenditen zogen kräftig an. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihen durchbrach erstmals wieder die 0,50% nach oben - eine Marke, die seit 2015 nicht mehr erreicht wurde. In der Konsequenz emittiert nun auch die Deutsche Finanzagentur wieder zehnjährige Bundesanleihen mit einem positiven Kupon: Die aktuelle Emission kommt erstmals seit langem nicht mehr mit Nullzinsen, sondern mit einem Zinskupon von 0,50% p.a. auf den Markt.
Zwar bemühten sich Notenbank-Insider schon kurz nach Draghis Aussagen, etwas Wind aus den Segeln zu nehmen. Der EZB-Chef sei überinterpretiert worden, Draghi habe sich mit seinen Äußerungen nicht auf eine konkrete Entscheidung zum Eindämmen der Geldflut festgelegt. Doch an den Märkten verpufften die Beschwichtigungsversuche. Kein Wunder: Die als „taper tantrum“ in die Geschichte eingegangene Achterbahnfahrt an den Börsen im Jahr 2013 ist vielen Marktteilnehmern tief ins Gedächtnis eingebrannt.

 

Börse aktuell: Notenbanken spielen Katz und Maus

Der damalige US-Notenbank-Chef Ben Bernanke erklärte in einer Anhörung im US-Kongreß beiläufig, die Fed könnte bei anhaltend positiven Wirtschaftsdaten ihre Wertpapierkäufe allmählich zurückfahren – und löste damit weltweit heftige Reaktionen an den Aktien- und Rentenmärkten aus.

Wie die Notenbanken die Märkte vor sich hertreiben, beweist auch einmal mehr die US-Notenbankchefin Yellen: Bei der amerikanischen Notenbank schien der Zinszug ja eigentlich eher stärker Fahrt aufzunehmen, doch die letzten Äußerungen von Yellen waren verhalten vorsichtig. Auf einmal erscheint eine Zinserhöhung im September nicht mehr als ausgemachte Sache. Der Aktienmarkt reagierte prompt mit einem kleinen Satz nach oben, in der Hoffnung, der Zinszug würde sein Tempo eher wieder verlangsamen.

Mangels Alternativen, bleiben Aktien somit auf der Sonnenseite. Fast sieht es sogar so aus, dass der übliche Kurs-Dip im Sommer diesen Jahres ausbleibt, denn vor allem die amerikanischen Indizes kratzen immer wieder an neuen Höchstständen. Für Euro-Anleger kommt nur deshalb nicht so viel an, weil die europäische Währung gerade eine wahre Aufholjagd hinlegt. Das Zinsthema kann dem US-Dollar nicht mehr helfen. Vom Tief im Dezember letzten Jahres bei 1,04 ist der Euro mittlerweile auf über 1,14 gespurtet. Wird auch noch die 1,15 überwunden, könnte eine zweijährige Durststrecke für den Euro zu Ende gehen und die Einheitswährung wieder in Regionen deutlich über die 1,20 tragen. Spätestens wenn auch die EZB die Zinszügel anzieht, und sich die Zinsdifferenz zwischen USA und Europa wieder schmälert, könnte es mit niedrigen Euro-Dollar-Kursen endgültig vorbei sein.

China: Ritterschlag von MSCI

China: Ritterschlag von MSCI

Vier Jahre hat es gedauert, doch nun ist ein historischer Schritt vollzogen: Aktien aus der Volksrepublik steigen in den viel beachteten MSCI-Index für Schwellenländer auf. Der Schritt ist ein Ritterschlag für das Land und unterstreicht Pekings Anspruch als globale Finanzmacht.
Über Jahrzehnte hatte die zweitgrößte Volkswirtschaft ihre Finanzmärkte von der Welt abgeschottet. Doch seit Peking zu einer globalen Wirtschaftsmacht aufgestiegen ist, will das Land auch in globalen Geldgeschäften zur Supermacht werden. Im vergangenen Oktober wurde die chinesische Währung in den Elite-Klub der globalen Leitwährungen des Internationalen Währungsfonds aufgenommen. Jetzt feiern Chinas Börsen mit der MSCI-Entscheidung ebenfalls einen Etappensieg in ihrer Globalisierungsstrategie.

Bisher hat der MSCI Emerging Markets nicht die wirtschaftliche Macht Chinas widergespiegelt. Die Entscheidung von MSCI über die Aufnahme der ursprünglich nur Inlandschinesen zugänglichen A-Aktien ist für die Anlageklasse von hoher Bedeutung und gleichzeitig die Anerkennung der Bemühungen Chinas, den heimischen Aktienmarkt für ausländische Investoren zu öffnen. Die Börsen in Shenzhen und Shanghai sind im vergangenen Jahr für knapp ein Viertel des weltweiten Börsenumsatzes verantwortlich gewesen.
Der Beschluß von MSCI markiert einen Meilenstein für die Glaubwürdigkeit chinesischer A-Shares und könnte zu einer weiteren Entwicklung des Inlandsaktienmarktes führen, neue internationale Anleger anziehen und die Liquidität des Marktes erhöhen.

Dennoch sollten Anleger jetzt nicht überstürzt einsteigen.

Drei Gründe sprechen gegen vermeintlich leicht zu verdienendes Geld mit A-Aktien:
1) Die Experten erwarten zwar positive Effekte für die chinesischen Festlandaktien, aber eher auf lange Sicht. Die Allokation der A-Shares in den Benchmarks wird zunächst winzig sein und nur langsam wachsen. Und selbst dann wird die Umsetzung ein Jahr benötigen. Derzeit verwalten Schwellenländerfonds weltweit 835 Milliarden USD Anlagevermögen. Da nicht alle davon passiv dem MSCI Emerging Markets folgen, ist schwierig abzuschätzen, wie viel Kapital tatsächlich in A-Aktien umgelenkt wird, sobald sie Teil der Meßlatte sind. Auf Sicht von zehn Jahren allerdings könnte der Anteil der A-Aktien die Quote der bereits enthaltenen H-Aktien aus Hongkong erreichen - und damit die Gewichtung Chinas im MSCI Emerging Markets auf über 40% verdoppeln. Langfristig trauen US-Investmentbanker dem Shanghaier A-Aktien-Leitindex deshalb rund 20% Aufwärtspotenzial zu.

2.) Es wurde die nun verkündete Index-Aufnahme an den Börsen teilweise bereits eingepreist. Internationale Anleger haben schon in den vergangenen Wochen auf die Benchmark-Anpassung gesetzt und massiv A-Aktien gekauft: Uber das sogenannte „Shenzhen-Hongkong Stock Connect“ Programm, das die beiden Handelsplätze verbindet, haben Investoren außerhalb Chinas im Mai netto A-Aktien im Wert von 2,9 Milliarden USD erworben. Laut Daten des Informationsdienstes Bloomberg entspricht das einem Plus von 56% zum Vormonat. Die schon im Vorfeld als Aufnahmekandidaten gehandelten Aktien gehören allesamt zu den Blue Chips, die mit Hilfe des Connect-Programms auch für Ausländer zugänglich sind.


3.) Was gegen rasante Kurszuwächse bei A-Aktien trotz der beschlossenen Index-Aufnahme spricht: die Anpassung des MSCI Emerging Markets wird nicht sofort erfolgen, sondern in zwei Schritten zum Mai und zum August 2018 umgesetzt werden. Doch bis dahin kann die weltweite Börsenhausse an ihre Grenzen gestoßen sein und die aktuelle Kauflaune der Anleger verfliegen, vor allem aufgrund der straffer werdenden US-Geldpolitik, die zuvor mehr als acht Jahre lang nicht nur an der richtungsweisenden Wall Street maßgeblich die Aktienkurse nach oben getrieben hat.

Behavioral Finance: Der Unterschied zwischen Wert und Preis

Behavioral Finance: Der Unterschied zwischen Wert und Preis

Der wertorientierte Ansatz geht von folgender Überlegung aus: Vermögensanlagen haben immer einen Wert und in aller Regel einen Preis. Beides schwankt im Zeitablauf. Der intelligente Anleger wird sich das Ziel setzen, die Vermögensanlagen immer zu einem Preis zu kaufen, der unter dem Wert der Anlage liegt. So verhalten wir uns auch als Verbraucher im täglichen Geschäft. Wir kaufen gern preiswert ein. Diesen Grundsatz sollten wir als Anleger im Bereich der Geldanlage auch beherzigen. Das psychologische Problem ist jedoch, dass die Preise hoch sind, wenn Euphorie an der Börse herrscht und die Preise niedrig sind, wenn alle zum Pessimismus neigen. Letztlich überlagern Stimmungen und Meinungen die Fakten, was zu Fehlbewertungen an den Märkten führt.
Der intelligente Anleger nutzt die pessimistischen Situationen für sich aus. Er kauft Qualität, wenn die Preise niedrig sind. Das ist das Prinzip von Warren Buffett, einem der erfolgreichsten Investoren der Welt. Diese scheinbar einfachen und langweiligen Regeln sind äußerst erfolgreich, werden aber selten befolgt. Kaufen, wenn andere verkaufen und verkaufen, wenn andere kaufen. Wann waren demnach die besten Gelegenheiten zum Einstieg? 2002 nach dem Platzen der Internet-Blase, 2009 nach der Zuspitzung der Bankenkrise und der Lehman-Pleite in den USA sowie 2012 nach der Euro-Schuldenkrise.

Doch auch wenn man (vermeintlich) billig kauft, ist man nie ganz vor Verlusten gefeit. Das „Risiko“ bei Kapitalanlagen besteht nun mal in der Gefahr, Vermögens- sprich Substanzverluste zu erleiden. Doch die Schwankungen von Kursen und Preisen haben damit nichts zu tun und sind davon gesondert zu betrachten. Sie sind lediglich eine Momentaufnahme und sagen nichts über den inneren Wert einer Anlage aus. Sie sind vielmehr relevant bei der Gewichtung der risikobehafteten Anlageklassen und bei der Festlegung von Anlagerichtlinien. Das Zitat von Warren Buffett fasst es treffend zusammen: „Betrachten Sie die Schwankungen des Aktienmarktes als Ihren Freund und nicht als Ihren Feind. Profitieren Sie von der Torheit Anderer, statt an ihr teilzunehmen.“ Anders ausgedrückt: Wer den wahren Wert seiner Anlage kennt, den müssen Preisschwankungen nicht mehr bekümmern.

Letztlich ist alles nur eine Frage von Disziplin und konsequenter Umsetzung von Anlagerichtlinien. Auch wenn es schwer fällt und viele Anleger ihre Lieblingsanlagen haben, der Wirtschaftsnobelpreisträger Prof. Dr. Kahneman hat in verschiedenen Untersuchungen aufgezeigt, dass es sich in einer Welt voller Unsicherheit empfiehlt, mit Algorithmen (d.h. mit einem Regelwerk) zu arbeiten, als auf eigene Eingebung zu vertrauen. Wer Prognosen, Meinungen und punktuellen Anlageempfehlungen folgt, hat keinen echten Plan. Es ist zwar wichtig, getroffene Anlageentscheidungen regelmäßig zu überprüfen. Sowohl Bewertungen als auch Preise können und werden sich ändern. Daher kann es auch zu Fehleinschätzungen kommen, die es zu korrigieren gilt. Es kann auch vorkommen, dass die Entscheidung richtig war, aber die Preise durch politische Börsen verzerrt werden, wie zum Beispiel zu Zeiten der Euro-Schuldenkrise. Dann gilt es, Mut zu haben und im Rahmen seiner Anlagerichtlinien zuzukaufen.

Unsere Einschätzung:
„Wer keinen Plan hat, geht unter.“ Deswegen arbeiten auch wir bei Dr. Lux & Präuner mit Regelwerken, mit denen wir Preisschwankungen ausblenden können, um Vermögenswerte wachsen zu lassen.
Am deutlichsten wird das bei unserem Anlagekonzept STARKE MARKEN: Es steht außer Frage, dass internationale Großunternehmen wie z.B. Coca-Cola, NIKE, Nestlé, u.a., solide Werte darstellen, mal mehr mal weniger teuer. Mit Hilfe unseres Regelwerks bestimmen wir Absicherungsphasen, wenn die Aktienkurse durch Krisen verzerrt werden. So vermindern wir den Streßfaktor für den Anleger, ohne jedoch gleich bei jeder Marktzuckung diese soliden Markenunternehmen verkaufen zu müssen.

Unser Warren Buffet Zitat des Monats: Thema ERFOLG

 

"Erfolg hat viel mit Inaktivität zu tun. Die meisten Anleger können der Versuchung nicht widerstehen, ständig zu kaufen und zu verkaufen."

Zitat Warren Buffet

Passivität ist für Buffett ein Schlüssel zum Erfolg: Hat er sich für ein Unternehmen entschieden, gibt er diesem viel Zeit. Er bevorzugt "langweilige" Aktien, die über lange Zeiträume erfolgreich sind, gegenüber hoch gehandelten Start-ups, die ihren Erfolg erst noch beweisen müssen. Entsprechend sind Euphorie und hochfliegende Hoffnungen auch der Feind des Erfolges.

"Pessimismus ist dein Freund an der Börse. Euphorie ist dein Feind"

Warren Buffet

AKTIE AKTUELL: Beiersdorf

Beierdorf


Beiersdorf ist eine der wenigen deutschen Aktien, die das Prädikat einer „Starken Marken Aktie“ im Sinne eines überzeugten Value-Investors erfüllt! Die Beiersdorf AG ist ein börsennotierter weltweit tätiger deutscher Konsumgüterkonzern mit Sitz in Hamburg-Eimsbüttel, der sich im Mehrheitsbesitz der maxingvest AG, eines Holdingunternehmens der Familie Herz, befindet. Unter anderem gehören Marken wie 8×4, Nivea, Tesa, Labello, Eucerin und Hansaplast zur Beiersdorf AG. Das Unternehmen wurde 1882 vom Apotheker Paul Carl Beiersdorf in Hamburg gegründet und 1890 von Oscar Troplowitz übernommen. Die Geschichte von Beiersdorf beginnt mit einem Patent des Apothekers Paul C. Beiersdorf vom 28. März 1882. Darin wird ein von ihm entwickeltes, neuartiges Verfahren zur Herstellung von medizinischen Pflastern beschrieben. Dieses Datum gilt als das Gründungsdatum des Unternehmens Beiersdorf. Im Jahre 1928 wurde die Beiersdorf-Aktie erstmals an der Hamburger Börse gehandelt. 2001 begann eine zweijährige Übernahmeschlacht mit Procter & Gamble über das begehrte Objekt Beiersdorf. Die Beteiligung des Kaufinteressenten und Konkurrenten Procter & Gamble konnte durch eine sogenannte Hamburger Lösung verhindert werden. Dadurch wurde die Milliardärs Familie Herz und die Stadt Hamburg zu den größten Aktionären von Beiersdorf. Beiersdorf gehört nun zu den führenden börsennotierten Gesellschaften der deutschen Nachkriegsgeschichte. Am 22. Dezember 2008 wurde die Beiersdorf AG zudem in den Deutschen Aktienindex (DAX) aufgenommen. Beiersdorf erwirtschaftet heute mittlerweile eines Jahresumsatz von mehr als 6,5 Milliarden  mit mehr als 17.000 Mitarbeitern weltweit. Der Gewinn von mehr als 700 Mio. Euro nähert sich mittlerweile der Milliardengrenze und dies bei einer Eigenkapitalquote von mehr als 60%. Auf Kreditleverage und auf Abhängigkeit in Bezug auf Banken kann also Beiersdorf getrost verzichten, da das Unternehmen komplett sauber eigenfinanziert ist.

Die Produkte von Beiersdorf sind jedem Deutschen bekannt und sind in fast jedem Haushalt vorzufinden:

Nivea, Eucerin, La Prairie, Labello; Hansplast, Florena, 8X4, tesa, atrix, Slek und Hidrofugal

Seit 1987 (laut unserem VWD Börsenterminal) hat Beiersdorf für seine Aktionäre einer Wertsteigerung inklusive Dividenden von mehr als 2100% hingelegt. Das kann sich wohl sehen lassen. Leider bezahlt Beiersdorf keine hohe Dividenden. Die Dividendenrendite liegt zur Zeit unter einem 1%. Das liegt zum einen an der hohen Selbstfinanzierungsquote zum anderen an der Milliardär Familie Herz, die nicht auf eine hohe Ausschüttung aus dem Unternehmen interessiert sind, sondern an einer hohen Reinvestitionsquote in das eigene Geschäft von Beiersdorf. Mit einem aktuellen KGV über 25 ist Beiersdorf leider auch nicht billig. War bei Beiersdorf leider aber auch sehr selten der Fall. Qualität hat halt seinen Preis, der sich aber für Langfrist-Investoren trotzdem auszahlen wird. Vor allem kann man bei einer derartigen Aktie auch in volkswirtschaftlichen Krisenzeiten ruhig schlafen, da deren Produkte immer gebraucht werden!

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