Anlegerbrief Dezember 2017

Börse aktuell: Bitcoins lassen Aktien alt aussehen

Sehr geehrter Anleger,

Erinnern Sie sich noch an den Neuen Markt? Damals um die Jahrtausendwende musste man nur an einer der vielen Aktien-Neuemissionen dabei sein, schon war einem noch am ersten Tag der Kursfeststellung ein satter Kursgewinn sicher. Der im April 1997 eingeführte Neuer-Markt-Index NEMAX an der Frankfurter Börse stieg bis März 2000 von anfänglich 500 Punkten auf über 8.500 Punkte – eine Versiebzehnfachung in gerade mal drei Jahren!

Börse aktuell: Bitcoins lassen Aktien alt aussehen

Erinnern Sie sich noch an den Neuen Markt? Damals um die Jahrtausendwende musste man nur an einer der vielen Aktien-Neuemissionen dabei sein, schon war einem noch am ersten Tag der Kursfeststellung ein satter Kursgewinn sicher. Der im April 1997 eingeführte Neuer-Markt-Index NEMAX an der Frankfurter Börse stieg bis März 2000 von anfänglich 500 Punkten auf über 8.500 Punkte – eine Versiebzehnfachung in gerade mal drei Jahren!

Sie meinen, so etwas kommt nie wieder? Doch! Es passiert gerade bei der Kryptowährung Bitcoins – nur noch viel rasanter: Bei Einführung irgendwann in 2009 waren Bitcoins nur ein paar Computer-Nerds bekannt und gerade mal mit ein paar Zehntel-Cent bewertet. Im Laufe der Jahre hat sich nun eine echte Fangemeinde um diese digitale Recheneinheit entwickelt, so dass die Bewertung in 2016 immerhin auf über 400 USD stieg. Seit Mitte diesen Jahres jedoch kennt der Bitcoin-Kurs kein Halten mehr. Im diesjährigen September-Anlegerbrief berichteten wir über Bitcoins bei einem Niveau von 5.000 USD; inzwischen ist sogar die 10.000er-Marke überschritten und der Preis wird nun mittlerweile fast täglich weiter explosionsartig in 1000er-Schritten nach oben gepusht.

Noch im Dezember will die Börse Chicago Future-Kontrakte auf Bitcoins auflegen. Auch die amerikanische Tech-Börse NASDAQ hat für kommendes Jahr einen Future-Handel angekündigt. Damit sind Bitcoins endgültig in der allgemeinen Anlegerwelt angekommen. Ob es der Anfang vom Ende des Höhenflugs sein wird, wird man sehen. Ob es kaufenswert ist, und auf welchem Niveau, ist eine Glaubensfrage, denn es gibt keinen Anhaltspunkt, wo der Preis fundamental richtig bewertet wäre. Es bleibt eine wilde Spekulation auf eine große Zukunft – ganz wie zu Neuer-Markt-Zeiten.

Mit zweistelligen Zuwachsraten im Wochenrhythmus kann die normale Aktienbörse zwar nicht mithalten, aber auch der Dow Jones hat die letzten Tagen nochmal einen Gang höher geschaltet und einen ordentlichen Kurssprung auf mittlerweile über 24.000 hingelegt – getrieben durch die Hoffnung auf die Verabschiedung der Steuerreform von Präsident Trump. Die Steuerreform ist nun tatsächlich verabschiedet und wird vor allem Unternehmen mit einer Herabsetzung der Körperschaftsteuer begünstigen. US-Aktionäre hören es gerne.

An den europäischen Börsen geht alles seinen gemächlicheren Gang. Obwohl die deutsche und europäische Wirtschaft gute Wirtschaftszahlen geliefert hat und der ifo-Index auf einem neuen Höchststand steht, kommt der deutsche und europäische Aktienmarkt seit einigen Wochen nicht mehr recht vom Fleck. Der DAX pendelt nun schon seit Oktober bockig und trendlos um die 13.000er-Marke. Der Markt scheint korrekturanfällig – mit der Jahresendrallye scheint es dieses Jahr tatsächlich nichts mehr zu werden. Deshalb: Lieber ab zum Weihnachtsmarkt!

EU-Regulierung MiFID II ab 2018: Sie haben es so gewollt

EU-Regulierung MiFID II ab 2018: Sie haben es so gewollt

Demnächst bekommen Privatanleger einen Vorgeschmack auf eine neue Ära: Banken und Sparkassen verschicken Informationen über die neuen Regeln für Wertpapierberatung an ihre Kunden, die in der EU ab dem kommenden Jahr gelten. Dann soll die Richtlinie mit dem Namen MiFID II für mehr Transparenz und Anlegerschutz sorgen.

Das Ganze ist eine Reaktion der Staatengemeinschaft auf die Finanzkrise, in der Tausende Anleger etwa durch die Pleite des US-Bankhauses Lehman Brothers mit Zertifikaten viel Geld verloren haben.

Schon heute sorgen die neuen Regeln für große Empörung: hochrangige Bankvertreter, wie der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken, monieren eine Bevormundung des Kunden durch das neue „Monsterwerk“ an Regulierung. Allein die Einführung verschlinge branchenweit eine Milliarde Euro, rechnet sein Verband vor. Trotz einzelner guter Maßnahmen fehle der Blick aufs Ganze, man sei weit übers Ziel hinausgeschossen.

In der Tat kommt einiges auf die Anleger zu, vor allem in der klassischen Anlageberatung: die bei uns beliebten Telefonate mit dem Berater müssen künftig aufgezeichnet werden, sobald es um die Anlage geht. Wer das ablehnt, muss in die Filiale gehen oder ohne Beratung Wertpapiere kaufen. In der Filiale bekommt der Kunde neben dem bekannten Protokoll des Beratungsgesprächs nun noch eine Begründung, warum ein Produkt für ihn geeignet ist. Ohne Beratung kann er kaufen, was zu seinem Risiko-Profil und Anlagehorizont passt. An die Profile ihrer Kunden passen die Anbieter wiederum ihre Produktpalette an - tendenziell dürfte sie infolge der Regulierung schrumpfen.

Vor Vertragsabschluss bekommt ein Anleger konkrete, mitunter geschätzte Informationen über die Kosten eines Wertpapiers, hinterher die Abrechnung und jedes Quartal ein Report. Einiges klingt tatsächlich nach mehr Übersicht wie konkrete Kosteninformationen vor einem Kauf, anderes nach noch mehr Papierkram. Und die Produktvielfalt wird auch leiden.

Unsere Einschätzung:

Die Politik zieht in der Finanzbranche weiter die Daumenschrauben an. Aber tut sie dem Verbraucher damit einen Gefallen!? Die Zukunft wird zeigen, ob die Kundenberatung nicht überfrachtet wird mit Dokumentation, die doch keiner liest, und ob noch ein vernünftiges Kundengespräch möglich ist, oder nur noch Checklisten abgearbeitet werden.

In Stein gemeißelt ist die künftige neue Welt wohl nicht. Sobald es die ersten Erfahrungen mit Telefon-Aufzeichnung & Co. gibt, werden die Politiker nachbessern müssen.

Investmentfonds: Neues Investmentsteuergesetz ab 2018 (Teil 2)

Investmentfonds: Neues Investmentsteuergesetz ab 2018 (Teil 2)

In dieser zweiten Folge geht es um die Frage, was das neue Gesetz für Altbestände vorsieht, für Fondsanteile also, die Anleger vor dem 1. Januar 2009 erworben haben.

Exakt dieser Punkt beunruhigt besonders viele Privatanleger, schließlich hatte der Gesetzgeber ihnen mit Inkrafttreten der Abgeltungsteuer Anfang 2009 für die Zukunft steuerfreie Veräußerungsgewinne zugesagt. Das Investmentsteuerreformgesetz macht mit dieser Steuerfreiheit zunächst Schluss, d.h. die Altbestände verlieren ihren Bestandsschutz. Als Ausgleich erhalten Privatkunden einmalig einen neu eingeführten Freibetrag in Höhe von 100.000 EUR pro Steuerpflichtigen für die Veräußerung der Fondsanteile mit Erwerb vor 01.01.2009. Das führt dazu, dass zukünftig bei einer Veräußerung der ab 01.01.2018 entstandene Wertzuwachs grundsätzlich von der Bank besteuert bzw. gegen vorhandene Verluste oder Freistellungen verrechnet wird.

Um die aktuelle Sachlage genauer zu beleuchten, ist es notwendig, ein wenig in die Vergangenheit zu blicken. Bis Ende 2008 hatten Anleger die Möglichkeit, beim Verkauf von Fondsanteilen Kursgewinne steuerfrei zu vereinnahmen, sofern sie die Anteile während der zwölfmonatigen Spekulationsfrist gehalten hatten. Mit Einführung der Abgeltungsteuer traten zum 1. Januar 2009 neue Vorschriften in Kraft. Anlegern, die vor diesem Datum Fonds gekauft und bereits ein Jahr lang gehalten hatten, räumte der Gesetzgeber auch zukünftig weiterhin Steuerfreiheit für Gewinne aus einer Veräußerung der Altbestände ein. Das Investmentsteuerreformgesetz kappt diese Steuerfreiheit.

Das hört sich zunächst bedrohlich an, ist jedoch relativ harmlos. Was mit Altbeständen zwischen dem 31. Dezember 2017 und einem späteren Verkauf, zum Beispiel im Jahr 2025, im Einzelnen geschieht, lässt sich Schritt für Schritt anhand eines Zahlenbeispiels verdeutlichen: Angenommen, ein Anleger hatte am 1. August 2007 genau 100 Anteile an einem Aktienfonds zu einem Preis von 100 EUR erworben, also 10.000 EUR bezahlt. Am 31. Dezember 2017 haben seine Altbestände beispielsweise einen Wert von 20.000 EUR.

An diesem Tag nimmt die Depotbank automatisch einen fiktiven Verkauf und Kauf der Altbestände vor. Dadurch wird der bis dato erzielte Kursgewinn automatisch steuerfrei realisiert. Der neue Anschaffungswert wird für die Ermittlung eines künftigen – dann steuerpflichtigen – Veräußerungsgewinns im System hinterlegt.

Der Muster-Anleger im genannten Beispiel hat mit dem fiktiven Verkauf also 10.000 EUR Gewinn erzielt, die er vereinnahmen darf, ohne dass Abgeltungsteuer fällig wird. Am 31. Oktober 2025 entschließt er sich dazu, diese Anteile zu veräußern, was ihm dank zwischenzeitlich weiterer Kursgewinne 25.000 EUR einbringt.

Nun geht es darum, die steuerliche Bemessungsgrundlage aus dem Verkauf zu ermitteln. Dafür werden zunächst die Anschaffungskosten zum 31. Dezember 2017 in Höhe von 20.000 EUR von den 25.000 EUR aus dem Veräußerungsgewinn abgezogen. Es verbleibt ein Veräußerungsgewinn von 5.000 EUR. Nach Abzug aller bereits gezahlten Vorabpauschalen im Zuge des neuen Investmentsteuergesetzes in Höhe von – angenommen – 800 EUR erhält der Anleger auf die übrigen 4.200 EUR noch eine steuerliche Teilfreistellung von 30%, wenn der Aktienfonds dauerhaft über 51% Aktienanteil hielt.

Es verbleiben 2.940 EUR, die der Anleger versteuern müsste, die aber nun wiederum mit dem Freibetrag für Altbestände in Höhe von 100.000 EUR verrechnet werden können. Sofern der Freibetrag noch nicht verbraucht ist, führt die Bank die Abgeltungsteuer inklusive Solidaritätszuschlag auf die 2.940 EUR zwar zunächst ans Finanzamt ab. Über seine Einkommensteuererklärung erhält der Anleger die Summe aber rückerstattet.

Unser Rat:

Den Freibetrag können Anleger nur nutzen, wenn sie ihre alten Fondsanteile vor dem 1. Januar 2018 nicht verkaufen. Nur dann können steuerpflichtige Veräußerungsgewinne künftig mit dem Freibetrag für ehemalige Altbestände verrechnet werden. Ein Verkauf vor diesem Datum kann also zu wirtschaftlichen Nachteilen führen.

Der Freibetrag kann pro Steuerpflichtigen genutzt werden – es könnte also interessant sein, Fonds-Altbestände auf Kinder oder Ehepartner zu übertragen, so dass diesen ihrerseits ein Freibetrag von je 100.000 EUR eingeräumt wird.

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