Anlegerbrief April 2018

Börse aktuell: Die Börse hält die Luft an

Sehr geehrter Anleger,

sind es nur Drohungen oder steht uns ein Krieg bevor!? Seit einigen Wochen dreht sich an der Börse alles um den drohenden Handelskonflikt zwischen USA und China. US-Präsident Trump gefällt sich mal wieder in seiner Rolle als Zerstörer der Weltordnung und will das Rad der Globalisierung durch die Einführung von Importzöllen zurückdrehen. Auch der EU hat er Zölle angedroht – aber oh Wunder – die EU hat es tatsächlich geschafft, einen Aufschub auszuhandeln, obwohl die europäische Staatengemeinschaft sonst selten mit einer Stimme spricht. Vor allem Deutschland hat als einer der Hauptexportländer der Welt Interesse daran, dass Einfuhrzölle vermieden werden. Andere europäische Staaten könnten das Thema lockerer sehen. Die französische Autoindustrie ist bei weitem nicht so vom US-Markt abhängig wie die Deutsche. Viele südeuropäische Länder exportieren vergleichsweise wenig in die USA, und schon gar nicht in dem Maße Investitionsgüter wie die Deutschen. Für Deutschland steht somit viel auf dem Spiel...

 

Börse aktuell: Die Börse hält die Luft an

Wie im Ping-Pong schaukeln sich die USA und China momentan noch mit gegenseitigen Zoll-Listen hoch. Die Vorgehensweise des US-Präsidenten erinnert an das, was wir bereits im vergangenen Sommer im Umgang mit Nordkorea erlebt haben. Schon damals hat Trump mittels Drohungen und Einschüchterungen versucht, seine politischen Ziele durchzusetzen. Auch gegenüber China setzt Trump auf das aus der Spieltheorie bekannte „game of chicken“. Diesem als Angsthasenspiel bekannten Phänomen liegt das Szenario einer Mutprobe zugrunde: Zwei Sportwagen fahren mit hoher Geschwindigkeit aufeinander zu. Wer ausweicht, beweist damit seine Angst und hat das Spiel verloren. Weicht keiner aus, haben beide Spieler zwar die Mutprobe bestanden, ziehen jedoch daraus keinen persönlichen Nutzen, weil sie durch den Zusammenprall ihr Leben verlieren. Leider lässt sich im Moment noch nicht abschätzen, wie lange es dauern wird, bis der im Moment praktizierte Kollisionskurs aufgegeben und man den Weg an den Verhandlungstisch finden wird, zumal sich China wohl sogar in der stärkeren Verhandlungsposition befindet. Der mögliche wirtschaftliche Schaden, der entsteht, wenn sich beide Seiten nicht einigen, könnte immens sein, denn mit den USA und China streiten sich die beiden größten Volkswirtschaften der Welt.

Deal or No Deal – das ist die entscheidende Frage, die auch über die weitere Börsenentwicklung bestimmt. Jede neue Zolldrohung hat zu erheblichen Verlusten an den internationalen Aktienmärkten geführt, allen voran in den USA. Dow Jones und Nasdaq liegen mittlerweile seit Jahresanfang im Minus. Die Kurse hüpfen auf und ab wie ein Jo-Jo. Viel Unsicherheit ist zu spüren, denn die langfristigen Aufwärtstrends sind in Gefahr, durchbrochen zu werden.

Zu allem Überfluss steht auch der Technologiesektor von verschiedener Seite unter Druck. Der Datenmissbrauch-Skandal bei Facebook schreit nach mehr Regulierung – Gift für das auf möglichst viel Liberalität bedachte Silicon Valley und für die großen Hauptakteure wie Google, die zu Werbezwecken jegliche Daten abgreifen, die sie kriegen können. Der Elektroauto-Hersteller Tesla wiederum erklärt sich als Aprilscherz pleite und muss nun zusehen, wie der Aktienkurs nach unten gereicht wird, weil Anleger nicht mehr ohne weiteres bereit sind, die Schuldenlast des Möchtegern-General-Motors-Konzerns mitzutragen. Amazon wiederum steht im Visier von Trump, der eine persönliche Fehde mit Amazon-Chef Bezos austrägt.

So sind einige Großkaliber der Technologieszene schwer unter Beschuss. Zur Zeit ist es nur eine Korrektur, aber die ruhigen Zeiten sind vorbei. Im Gegensatz zu letztem Jahr hat sich die Schwankungsbreite (Volatilität) am Aktienmarkt immerhin verdoppelt. Kaufen und einfach zuschauen, wie die Kurse nach oben steigen, funktioniert jetzt nicht mehr.

Aktuelles: L&P goes FinTech

Aktuelles: L&P goes FinTech

FinTech, Robo-Advice, Online-Onboarding, Digitalisierung – jede Menge neuer Begriffe ziehen durch die Bankenlandschaft und mischen den Markt auf. Dass Bankkunden nicht mehr so stark wie früher Bankfilialen frequentieren und die Banken deshalb Filialen abbauen, ist ein unaufhaltsamer Trend. Ein Trend, der mit dem Internet und mit einem veränderten Verbraucherverhalten zusammenhängt. Vieles lässt sich heute online vom heimischen PC oder über Handy erledigen – shoppen, Tickets kaufen, Hotels buchen, ja sogar die Abgabe der Steuererklärung. Mit Direktbanken und Discount Brokern hat auch in die Bankwelt die Online-Nutzung massiv Einzug gehalten. Hatten viele Bankkunden in den Anfangsjahren des Onlinebankings zunächst noch Sicherheitsbedenken, hat spätestens mit der jüngeren Generation, die eine Zeit ohne Internet gar nicht mehr kennt, der Online-Zug nochmal deutlich beschleunigt.

Die Finanzkrise 2008 hat zudem dazu geführt, dass klassische Banken erheblich an Ansehen und Vertrauen verloren haben. Viele Skandale haben die herkömmliche Bankberatung in der Filiale in Misskredit gebracht. Gleichwohl besteht Anlage- und Beratungsbedarf – in dem aktuellen Niedrigzinsumfeld sogar mehr denn je. Diesen Bedarf versucht nun die FinTech-Industrie mit Technologie zu decken. „FinTech“ steht für Finanztechnologie (engl. financial technology) und meint in der Regel junge Unternehmen, die mit Hilfe von EDV und Internet möglichst automatisiert Bankdienstleistungen anbieten. FinTech-Firmen vermitteln Kredite und Sparanlagen, helfen dem Anleger bei Produktvergleichen und beim Kontowechsel, bieten Plattformen für Anlagekonzepte, etc. Die FinTech-Landschaft ist inzwischen sehr vielfältig, aber auch reifer geworden. Denn früher wurde gegen die Banken gekämpft. Die Revoluzzer sind jedoch demütiger geworden und verbünden sich heute lieber mit den Banken, um eine Marktdurchdringung zu erreichen.

 

Auch in der Vermögensverwaltung ist das Thema FinTech mittlerweile angekommen, obwohl viele Experten skeptisch waren, inwieweit sich eine persönliche Beziehung zwischen Berater und Kunde ins Internet übertragen lässt. Aber jedes Business findet sein Klientel. So erhalten Anleger heutzutage über „Robo-Advice-Plattformen“ automatisierte Anlageempfehlungen oder lassen ihr Geld von einem EDV-gestützten Algorithmus anlegen. Persönliche Beratung bleibt in der Regel außen vor, dafür wird stärker auf Kosteneffizienz abgestellt. Vertragsabschlüsse („Onboarding“) können mittlerweile elegant online abgewickelt werden. Papier oder der Gang zur Post für die Legitimationsprüfung ist nicht mehr notwendig.

Doch so stark die FinTechs in technischer Hinsicht sind, so schwach sind sie im Hinblick auf Anlageerfahrung. Die meisten reinen Onlinekonzepte existieren erst seit einigen Jahren und kennen nur die Schönwetterseite der Börse. Wie nachhaltig das ein oder andere noch junge Konzept ist, wird sich in schwierigeren Marktphasen zeigen.

Das ist anders bei etablierten Vermögensverwaltern. Als langjährig tätiger Depotmanager, der die Höhen und Tiefen der Finanzmärkte kennt, war es daher für Dr. Lux & Präuner naheliegend, sich mit dem Thema „Online-Vermögensverwaltung“ näher zu beschäftigen:

Schon in wenigen Wochen wird Dr. Lux & Präuner ihre eigene Online-Vermögensverwaltung starten. In Anlehnung an das bisherige regelbasierte Anlagekonzept STARKE MARKEN wird es vier Strategien mit unterschiedlichem Aktienanteil geben, die online abgeschlossen werden können. Angelegt wird in Einzelaktien und ETF-Anlagen, denn das ist am kostengünstigsten.

Der Abschluss des Vermögensverwaltungsmandats kann dabei bequem vom heimischen Sofa erledigt werden; ein Beraterbesuch ist nicht notwendig. Anhand eines Fragebogens zur Vermögenssituation, zu den Kenntnissen und Erfahrungen im Wertpapierbereich sowie zur Risikobereitschaft werden die Anleger zu der für sie passenden Anlagestrategie geführt. Legitimationsprüfung, Depotkontoeröffnung und Verwaltungsvertrag erfolgt alles online. Wir halten Sie auf dem Laufenden!

Aktienmarkt: Warnsignal aus den USA

Aktienmarkt: Warnsignal aus den USA

Dieses Jahr wird den USA einen Rekord bei den Aktienrückkäufen bescheren, und das ist nicht unbedingt eine gute Nachricht. 2018 werden die amerikanischen Unternehmen voraussichtlich 800 Milliarden Dollar dafür ausgeben, ihre eigenen Aktien zu erwerben. Im vergangenen Jahr waren es noch 520 Milliarden Dollar.

Während Analysten jubeln und die „Kurspflege“ loben, könnten die Aktienrückkäufe für langfristig orientierte Aktionäre ein Alarmsignal sein. Denn die Rückkäufe sind ein Indiz dafür, dass es den Manager an Ideen fehlt, was sie mit dem Geld sonst anfangen können, oder dass sie nur den eigenen Bonus im Kopf haben, der sich am Aktienkurs orientiert.

Wenn Unternehmen mit ihrem Geld Aktien zurückkaufen, verringern Sie damit die Zahl ihrer Anteilscheine. Das bedeutet: auch bei geringerer Nachfrage von Seiten der Anleger bleiben die Kurse oben. Der hohe Aktienkurs ist also kein Spiegelbild der gesunden Verfassung des Unternehmens, sondern das Ergebnis eines künstlich verknappten Angebots an Aktien.

Viele Analysten mögen solche Aktienrückkäufe. Sie weisen darauf hin, dass die Unternehmen damit auch eine mangelnde Nachfrage von Seiten der Aktienfonds ausgleichen. Wenn man als Aktionär so etwas liest, sollte man erst recht aufschrecken. Bedeutet es doch, dass die Fonds nicht investieren wollen und dass folglich die Aktien und die dahinter stehenden Unternehmen gar nicht so begehrenswert sind, wie der Börsenkurs vorgaukelt.

Tatsächlich sind Aktienrückkäufe oft ein Armutszeugnis der Unternehmen. Sie zeigen, dass dem Management nichts Besseres einfällt, was es mit dem Geld machen könnte: neue Werke bauen, neue Technologien entwickeln, neue Märkte erobern. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Unternehmen die überdurchschnittlich viele Aktien zurückgekauft hatten, letztlich enorme Probleme bekamen, weil sie das Geld eben nicht in zukunftsträchtige Technologien, Produkte oder Märkte gesteckt hatten. Solche gefallenen Sterne zeigen, was passiert, wenn man sich zu sehr um die Kurspflege kümmert und das eigentliche Geschäft vernachlässigt: General Electric gehört zu den ganz großen Rückkäufern, ebenso wie IBM, Nokia, Motorola und BlackBerry. Bezeichnenderweise sind sie alle heute nur noch ein Schatten ihrer selbst.

Manchmal gibt es auch absurde Auswüchse, wenn Unternehmen sogar mehr für den Rückkauf der Aktien ausgeben, als sie an Gewinn erwirtschaftet haben. So hat Hewlett-Packard zwischen 2007 und 2016 insgesamt 57 Milliarden USD für Rückkäufe ausgegeben, obwohl der Konzern im selben Zeitraum nur 44 Milliarden USD Gewinn gemacht hat.

Dass es gerade 2018 in den USA zu einem neuen Rekord bei den Aktienrückkäufen kommt, liegt natürlich mal wieder vor allem an Trump: mit der Senkung der Unternehmenssteuern und den steuerlichen Anreizen, im Ausland gehortetes Kapital zurückzuführen, kommt auf die amerikanischen Unternehmen ein Milliardensegen zu. Die Schätzungen für die eingesparten Unternehmenssteuern liegen bei insgesamt 1,5 Billionen USD, die für das zurückkehrende Kapital bei insgesamt bis zu 2 Billionen USD. Die Unternehmen haben also ein einmaliges Luxus-Problem: Sie haben zu viel Geld auf einmal. Und nicht alle Unternehmen sind in der Lage, dieses Geld in Investitionsprojekte zu stecken, die sich auch langfristig rechnen. Die Folge: Trumps Steuergeschenke kreieren nicht nur „Jobs, Jobs, Jobs“, wie vom Präsidenten prophezeit, sondern vor allem „Geld, Geld, Geld“ für Aktionäre.

Auch dazu gibt es Erfahrungen aus der Vergangenheit: 2005 hatte George W. Bush dafür gesorgt, dass Kapital aus dem Ausland zurückkehrte. Ein großer Teil des Geldes floss in Aktienrückkäufe. Und das, obwohl die damalige Regierung Rückkäufe mit dem heimgeholten Kapital sogar verboten hatte. Aber die Unternehmen verbuchten schlicht das neu gewonnene Kapital für schon länger geplante Investitionen und hatten damit anderes Kapital frei, um ihre eigenen Aktien zu kaufen. Die Trump-Regierung hat sich diesmal noch nicht einmal die Mühe gemacht, ein solches Verbot vorzusehen.

Unsere Einschätzung:

Kurspflege an der Börse statt Investitionen in neue Jobs: die Freude der Aktionäre könnte von kurzer Dauer sein. Denn wenn Unternehmen nur in Rückkäufe investieren, schaffen Sie keine Grundlage für mehr Geschäft in den kommenden Jahren. Irgendwann rächt sich das. Auch beim Aktienkurs.

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